Das Freiwillige Soziale Jahr - FSJ

Das Freiwillige Soziale Jahr, abgekürzt: FSJ, ist ein Freiwilligendienst in sozialen Bereichen. Er wird in Deutschland für Jugendliche und junge Erwachsene angeboten, die die Vollzeitschulpflicht bereits erfüllt haben und noch nicht das 27. Lebensjahr vollendet haben, also ihren 27. Geburtstag noch nicht gefeiert haben. Die Rahmenbedingungen für das Freiwillige Soziale Jahr, das FSJ, sind im Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres niedergelegt. Das FSJ ist auf Länderebene geregelt.

Ab Juli 2011 gibt es auf Bundesebene den Bundesfreiwilligendienst (BFD), der zusätzlich zum FSJ installiert wird.

Gesetzliche Grundlage

Das Freiwillige Soziale Jahr ist seit dem 1. Juni 2008 zusammen mit dem Freiwilligen Ökologischen Jahre im Jugendfreiwilligendienstgesetz (JFDG), besser bekannt unter dem Namen FSJ-Gesetz, geregelt. Die Freiwilligen sind in ihrer rechtlichen Stellung Auszubildenden vergleichbar. Duch das neue Bundesfreiwilligengesetz wird an der Institution FSJ nichts verändert.

Geschichtlicher Hintergrund

Im Jahr 1962 wurde von Gertrud Rückert der "Philadelphischen Dienst" ins Leben gerufen. Abiturientinnen sollten so vor ihrem Studium mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr die Möglichkeit zur persönlichen und beruflichen Orientierung erhalten. Das war seinerzeit ein unbekannter Ansatz. Sozialdienst gab es in der Form des Zivildienstes nur für Männer, und zwar verpflichtend. Jener Piladelphische Dienst wurde zum Vorläufer und Vorbild des dann bundesweit gesetzlich festgeschriebenen "Freiwilligen Sozialen Jahres". Rückert bekam im Jahr 2003 mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Träger und Einsatzstelle

Die Träger, die das Freiwillige Soziale Jahr anbieten, sind meist überregional tätig. Sie sind Kooperationen mit ganz unterschiedlichen Einsatzstellen eingegangen. Unter Einsatzstelle versteht man die konkrete Stelle, bei der der FSJler, der Freiwillige, konkret den Freiwilligendienst ableistet.

Arbeitszeit

Die Arbeitszeit während des Dienstes wird von der Einsatzstelle festgelegt. Die öffentlichen Tarifverträge mit ihren Wochenstundenregelungen gelten auch für die FSJ-ler. Wo eine Regelung fehlt, ist die Arbeitszeitverordnung maßgebend.

Verdienst / Vergütung / Taschengeld

Die finanzielle Vergütung wird oft als Taschengeld bezeichnet. Zu diesem Verdienst kommt die Verpflegung, Unterkunft und eine Fahrtkostenerstattung hinzu. Die Höhe des Taschengeldes ist von Träger zu Träger durchaus unterschiedlich. Unterschiede nicht unerheblicher Art gibt es auch häufig bei den Einsatzstellen desselben Trägers. Falls eine Unterkunft und die Verpflegung nicht gestellt werden, dann wird beides finanziell vergütet. Bestimmte Einsatzstellen, etwa Kindergärten, sind nicht verpflichtet, eine Unterkunft zu bieten. Folglich müssen sie auch keine Abgeltung zahlen.

Kindergeld

Neben dem Verdienst bzw. dem Taschengeld wird für die Dauer des Freiwilligendienstes für unter 25-jährige Freiwillige Kindergeld nach dem Bundeskindergeldgesetz geleistet, vgl. § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2d BKGG. Gleichfalls besteht ein Anspruch auf Halbwaisenrente fort.

Seminare

Im FSJ-Gesetz ist festgeschrieben, dass die FSJ-ler eine pädagogische Begleitung erhalten. Diese wird vom Träger zur Verfügung gestellt. Die pädagogische Begleitung beinhaltet zum einen eine individuelle Betreuung der Teilnehmer, zum anderen auch Seminare. So finden ein Einführungs-, ein Zwischen- und ein Abschlussseminar statt. Diese Seminare gehen jeweils mindestens über fünf Tage. Die Gesamtdauer der Seminare muss, wenn das FSJ 12 Monate dauert,, wenigstens 25 Tage betragen. Die Zeit, die in den Seminaren verbracht wird, ist Dienstzeit. Zudem ist die Teilnahme an den Seminaren verpflichtend. Wichtig zu wissen ist auch, dass die FSJler die Seminare inhaltlich mitgestalten.

Abhängig von Einsatzgebiet und Träger bekommen die FSJler zusätzlich eine gegebenenfalls notwendige Ausbildung oder Fortbildung. Wird das freiwillige soziale Jahr im Sportbereich geleistet, so erhält man in der Regel eine volle Übungsleiterausbildung. Wählt man einen Einsatz im Rettungsdienst, so erhält man eine Ausbildung zum Rettungshelfer oder Rettungssanitäter. Die Kosten der Ausbildungen werden in aller Regel vom Träger in ihrem gesamten Umfang bezahlt.

Einsatzbereiche des FSJ

Die Einsatzbereiche liegen sämtlich im sozial-karitativen oder gemeinnützigen Bereich. Das FSJ-Gesetz wurde im Jahr 2002 neu gefasst und die Einsatzbereiche erweitert. Ein FSJ kann man jetzt auch in den Bereichen , Sport, Denkmalpflege und Kultur absolvieren.

Dauer des FSJ

Das Freiwillige Soziale Jahr erstreckt sich über wenigstens sechs, jedoch maximal 18 Monate. In Ausnahmefällen kann der Freiwilligendienst bis zu 24 Monaten geleistet werden. Dann muss dies aber durch ein besonderes pädagogisches Konzept begründet werden. Im einzelnen siehe hier: Wie lange dauert das FSJ?

Sozialversicherung

FSJler sind automatisch krankenversichert und pflegeversichert. Für sie besteht ein Anspruch auf Kindergeld und Kinderfreibeträge. Letzteres gilt allerdings nur, wenn das Gesamteinkommen unter den geltenden Einkommensgrenzen liegt. Der Träger oder die Einsatzstelle ist verpflichtet, die vollständigen Kosten für die Sozialversicherung, also den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, zu zahlen. Ebenfalls wird die Zeit des freiwilligen sozialen Jahres bei der Rentenversicherung berücksichtigt.

Wehrersatzdienstregelung

Nach § 14c des Bundeszivildienstgesetzes ist das freiwillige soziale Jahr als Wehrersatzdienst anerkannt.

§ 14c Zivildienstgesetz: "Anerkannte Kriegsdienstverweigerer (KDV) werden nicht zum Zivildienst herangezogen, wenn sie sich nach ihrer Anerkennung als KDV zu einem freiwilligen Dienst nach dem Gesetz zur Förderung des FSJ verpflichtet haben. Der Dienst ist spätestens ein Jahr nach der Verpflichtung sowie vor Vollendung des 23. Lebensjahres anzutreten und hat eine ganztägige, auslastende Hilfstätigkeit über mindestens 12 Monate einschließlich einer pädagogischen Begleitung mit einer Dauer von 25 Tagen sowie 26 Tagen Urlaub zu umfassen."

Da der Wehrdienst nicht aufgehoben sondern lediglich ausgesetzt ist, ist diese Regelung nicht hinfällig geworden.

FÖJ - Freiwilliges ökologisches Jahr

Das freiwillige Jahr kann auch als Freiwilliges Ökologisches Jahr - FÖJ abgeleistet werden.