FSJ-Taschengeld verdoppeln? Warum das DRK Druck macht

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Freiwillige im FSJ oder BFD sollen deutlich besser unterstützt werden: Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fordert, das Taschengeld im Freiwilligen Sozialen Jahr auf BAföG-Niveau anzuheben und mit einem Deutschlandticket zu kombinieren, um den Dienst für alle jungen Menschen finanzierbar zu machen.

Der nachfolgende Artikel erklärt, wer profitieren würde, welche Streitpunkte es gibt und welche Auswirkungen eine Reform haben könnte.

Warum die Forderung nach mehr FSJ-Taschengeld jetzt so brisant ist

Viele junge Menschen wünschen sich, nach der Schule etwas Sinnvolles zu tun – etwa in der Pflege, im Rettungsdienst oder in der Behindertenhilfe. Gleichzeitig können sich aber längst nicht alle ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leisten, weil das Taschengeld derzeit häufig nur bei rund 400 Euro im Monat liegt. Vor allem Jugendliche aus Familien mit wenig Geld stehen damit vor der Entscheidung: Engagement oder Existenzsorgen.

Genau hier setzt die aktuelle Forderung des DRK-Präsidenten Hermann Gröhe an: Er will das Taschengeld im FSJ verdoppeln, auf den BAföG-Höchstsatz von 990 Euro, und zusätzlich ein Deutschlandticket bereitstellen. Ziel ist, das FSJ endlich auch für diejenigen zu öffnen, die „jeden Cent umdrehen müssen“ – und zugleich die sozialen Einrichtungen zu stärken, die ohne Freiwillige schon heute kaum auskommen.

Was ist das FSJ – und wer kann es machen?

Das Freiwillige Soziale Jahr richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, die sich in sozialen Einrichtungen engagieren und zugleich beruflich orientieren möchten. Typische Einsatzorte sind Pflegeheime, Kliniken, Rettungsdienste, Kitas oder Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände wie DRK, Caritas oder Malteser.

Ein FSJ dauert in der Regel zwischen sechs und 18 Monaten, oft wird ein gesamtes Jahr absolviert. Rund 50.000 Menschen leisten jedes Jahr ein FSJ und übernehmen dort Hilfstätigkeiten, die den Alltag in Pflege, Betreuung und sozialen Diensten überhaupt erst möglich machen. Dazu gehören etwa Unterstützung beim Essen, Begleitung zu Arztterminen, Freizeitangebote oder einfache Verwaltungsaufgaben.

Wie hoch ist das FSJ-Taschengeld aktuell – und warum reicht es oft nicht?

Derzeit liegt das Taschengeld im FSJ meist bei etwa 400 Euro monatlich – je nach Träger und Bundesland können die Beträge variieren. Hinzu kommen häufig Sachleistungen wie Unterkunft, Verpflegung oder Fahrtkosten, doch ein eigenständiges Leben in einer Großstadt ist damit für viele kaum zu finanzieren.

Gerade Jugendliche aus einkommensschwachen Familien geraten dadurch unter Druck: Sie möchten sich engagieren, müssen aber gleichzeitig Miete, Tickets und alltägliche Ausgaben stemmen. Wer auf finanzielle Unterstützung der Eltern nicht zurückgreifen kann, ist oft gezwungen, statt eines FSJ eine Erwerbstätigkeit anzunehmen – selbst wenn er oder sie sich eigentlich sozial engagieren wollte.

Was fordert das DRK konkret – und ab wann könnte sich etwas ändern?

DRK-Präsident Hermann Gröhe spricht sich für eine Verdopplung des Taschengeldes auf den BAföG-Höchstsatz von 990 Euro aus. Zusätzlich fordert er ein Deutschlandticket für FSJlerinnen und FSJler, damit die Fahrt zum Einsatzort keine finanzielle Hürde mehr darstellt. Diese Kombination soll den Freiwilligendienst deutlich attraktiver machen, ohne ihn zu einem klassischen Erwerbsjob zu verändern.

Gröhe betont, dass selbst ein Taschengeld in Höhe des BAföG weit unter dem Wehrsold von 2.600 Euro liegt, der im Rahmen eines möglichen Pflichtdienstes diskutiert wird. Politisch ist noch offen, ob und wann die Forderungen des DRK umgesetzt werden. Klar ist aber: Mehr Geld für Freiwilligendienste würde direkt darüber entscheiden, ob junge Menschen aus armen Familien sich einen Dienst am Gemeinwesen überhaupt leisten können.

Für soziales Leben e.V. schließt sich Forderung nach höherem Taschengeld an

Der Verein Für soziales Leben e.V. schließt sich der Forderung nach einer Erhöhung des Taschengeldes im FSJ bzw. BFD an. Der ehrenamtliche Dienst muss attraktiver ausgestaltet werden. Im Gegenzug könnten Hunderttausende von hilfebdürftigen Menschen von einer zunehmenden Unterstützung durch FSJ-ler profitieren.

Wer würde von einer Anhebung des FSJ-Taschengeldes profitieren?

Von einer erhöhten finanziellen Unterstützung würden vor allem junge Menschen profitieren, deren Eltern sie bisher kaum unterstützen können. Sie hätten endlich die Möglichkeit, ein FSJ zu absolvieren, ohne sich zwischen Engagement und finanzieller Sicherheit entscheiden zu müssen.

Auch soziale Einrichtungen – darunter Pflegeheime, Krankenhäuser und Rettungsdienste – wären Gewinner einer Anhebung. Sie klagen schon jetzt über Nachwuchssorgen und offene Stellen, die durch FSJlerinnen und FSJler zumindest teilweise aufgefangen werden. Höhere Taschengelder könnten helfen, mehr junge Menschen für diese verantwortungsvollen Aufgaben zu gewinnen.

Welche Auswirkungen hätte ein höheres Taschengeld auf die soziale Sicherung?

Ein Freiwilligendienst wie das FSJ ist kein klassisches Arbeitsverhältnis und unterliegt daher anderen sozialrechtlichen Regeln als reguläre Jobs. Die Taschengeldzahlungen sind rechtlich kein normaler Lohn, können aber bei bestimmten Sozialleistungen – etwa Grundsicherungsgeld, Wohngeld oder Unterhaltsvorschuss – angerechnet werden. Für junge Erwachsene, die zusätzlich auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, ist daher wichtig, die Freibeträge und Anrechnungsregeln genau zu kennen.

Zugleich kann ein FSJ bei späteren Rentenansprüchen eine Rolle spielen: Für bestimmte Freiwilligendienste werden Zeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung angerechnet, wenn entsprechende Beiträge gezahlt werden. Höhere Taschengelder könnten hier indirekt Einfluss haben, etwa wenn sie die Grundlage für Beiträge zu Sozialversicherungen bilden. Entscheidend sind aber stets die konkreten gesetzlichen Regelungen, die je nach Dienstform und Träger variieren.

Was sind die wichtigsten Streitpunkte bei der Finanzierung von Freiwilligendiensten?

Ein zentraler Konfliktpunkt ist seit Jahren die Finanzierung durch den Bund: Die Mittel für Freiwilligendienste standen wiederholt zur Disposition und sollten gekürzt werden, obwohl der Bedarf in Kitas, Schulen, Pflege und Rettungsdiensten wächst. Verbände und Träger warnen, dass Kürzungen die Qualität und Anzahl der Plätze im FSJ und anderen Diensten gefährden würden.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, ob Freiwilligendienste eher als Bildungs- und Orientierungszeit oder als „günstige Arbeitskräfte“ betrachtet werden. Kritiker befürchten, dass steigende Taschengelder Erwartungen an eine vollwertige Erwerbsarbeit schüren könnten, während Befürworter genau darin eine Anerkennung der Leistung und eine Voraussetzung für echte Chancengleichheit sehen. Die aktuelle Debatte um die Verdopplung des Taschengeldes bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld.

Praktische Beispiele: Wenn das Taschengeld über die Zukunft entscheidet

Stellen Sie sich eine 18-jährige FSJlerin vor, die nach dem Abitur in einem Seniorenheim arbeitet: Sie hilft morgens beim Waschen, begleitet Bewohner zum Arzt und organisiert kleine Feste. Mit 400 Euro Taschengeld muss sie zusätzlich einen Minijob annehmen, um ihre Miete zu zahlen – die Doppelbelastung führt dazu, dass sie oft erschöpft ist und überlegt, das FSJ vorzeitig abzubrechen.

Mit einem Taschengeld von 990 Euro und einem Deutschlandticket hätte dieselbe junge Frau die Chance, sich voll auf ihre Tätigkeit und ihre persönliche Orientierung zu konzentrieren. Sie könnte sich in Ruhe überlegen, ob sie später eine Ausbildung zur Pflegefachkraft macht – und würde gleichzeitig eine Einrichtung entlasten, die dringend Personal braucht.

FAQ zum Taschengeld im FSJ

Wie hoch ist das Taschengeld im FSJ aktuell?

Aktuell liegt das Taschengeld im FSJ oft bei etwa 400 Euro im Monat, genaue Beträge hängen vom Träger, Einsatzort und Bundesland ab.

Was genau fordert das DRK beim FSJ-Taschengeld?

Der DRK-Präsident fordert eine Verdopplung des Taschengeldes auf den BAföG-Höchstsatz von 990 Euro sowie ein Deutschlandticket für alle Freiwilligendienstleistenden.

Wer kann ein FSJ machen und wie lange dauert es?

Ein FSJ richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, dauert in der Regel sechs bis 18 Monate und wird überwiegend in sozialen Einrichtungen geleistet.

Hat ein FSJ Auswirkungen auf spätere Rentenansprüche?

Bestimmte Freiwilligendienste können bei der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt werden, wenn für die Zeit Beiträge gezahlt werden; Details hängen von Dienstform und Träger ab.

Einordnung: Warum die Debatte um das FSJ-Taschengeld mehr ist als eine Randnotiz

Die Forderung nach einem höheren Taschengeld im FSJ ist mehr als eine tarifpolitische Detailfrage: Sie entscheidet darüber, ob junge Menschen unabhängig von der sozialen Herkunft Verantwortung übernehmen und Erfahrungen in Pflege, Bildung und sozialer Arbeit sammeln können. Gleichzeitig ist sie ein Lackmustest für die Frage, wie viel der Gesellschaft die Unterstützung durch Freiwillige in Kitas, Heimen und Rettungsdiensten tatsächlich wert ist.

Ob und in welcher Form die Forderungen des DRK umgesetzt werden, ist derzeit noch offen. Klar ist aber: Jede Erhöhung des Taschengeldes würde unmittelbar spürbare Folgen haben – für die Teilhabechancen von Jugendlichen, für die Personaldecke in sozialen Einrichtungen und für die Anerkennung von Arbeit, die oft im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit geleistet wird.

Quellen

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