FWJ: nichts Neues 2015

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FWJ: Ein wenig älter sind die Teilnehmer schon.

In Niedersachsen können Abiturienten an der Medizinischen Hochschule Hannover ein FWJ (Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr) absolvieren. In dem Bundesland ist diese Variante des FSJ ein voller Erfolg. Das FWJ soll es bald deutschlandweit geben.

FWJ an der Uni in Niedersachsen

Katrin K. ist eine der Absolventinnen des FWJ. Sie tritt morgens in einem weißen Kittel mit Mundschutz und Schutzhandschuhen ihren Dienst an. Sie arbeitet in einem Forschungslabor der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie hat ihr Abitur hinter sich, studiert aber noch nicht, sondern absolviert erst einmal das FWJ.
Das FWJ soll in Zukunft gleichberechtigt neben anderen Freiwilligendiensten wie dem FSJ stehen. Die Landesregierung in Niedersachsen hatte sich dafür im Bundesrat mit einer Initiative stark gemacht. Es sei wünschenswert, dass viel mehr Interessierte die Chance bekämen, in ein wissenschaftliches Berufsfeld zu schnuppern, so die Begründung des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.
Das Konzept der Jugendfreiwilligendienste ist Vorbild für das FWJ. Schon früher gab es eine Initiative, doch damals sollten Praktikumsplätze in Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gefördert werden. Die Hochschulen sollten lediglich Kooperationspartner sein. Auch soll nach dem Willen von Niedersachsen das FWJ in das Bundesgesetz für Jugendfreiwilligendienste aufgenommen werden. So müsste nicht mehr jedes Bundesland Zulassungen erteilen.
Das FWJ wird als hervorragende Möglichkeit für Schüler gesehen, erste Einblicke in die Wissenschaft zu bekommen und mehr über die eigenen Neigungen und Fähigkeiten in Bezug auf das wissenschaftliche Arbeiten zu erfahren. Dennoch läuft die Umsetzung nur schleppend an. Die Finanzierung ist das Problem. Die Länder müssten für den zusätzlichen Betreuungsaufwand aufkommen. In Niedersachsen werden die Kosten vom jeweiligen Fachbereich übernommen. Pro Person belaufen sie sich auf 5000 bis 6000 Euro jährlich.
Die jahrelange Erfahrung mit den FSH an den Kliniken hilfreich, um das FWJ umsetzen zu können. Träger ist das Land. Junge Leute, die sich etwa für ein Biochemie-Studium interessierten, erhalten mit dem FWJ praktische Einblicke in ein spannendes Berufsbild.

FWJler voll im Team integriert

Warum nicht sofort studieren? Katrin K. erklärt uns: „Ich wollte nach dem Abi erst die Praxis kennenlernen, in den Beruf hinein blicken, um eine bessere Vorstellung von dem zu erhalten, was mich während und nach dem Studium erwartet.“
Wofür ist Katrin gegenwärtig zuständig? Sie putzt das Labor, bestellt und katalogisiert Reagenzien, pipettiert auch, betreut den Vorrat an Zellen und versorgt diese mit Nährlösungen. Sie in das Team integriert und übernimmt auch kleinere Experimente. Es sind also auch Methoden, die Katrin lernt, sie verrichtet nicht nur Hilfsarbeiten.
Katrin berichtet uns, dass die Versuche oft wiederholt werden müssen. Oft klappe rein gar nichts. Frustrationstoleranz und Ausdauer seien in der Forschung von Nöten. So erfülle das Jahr auch den Zweck, eine falsche Studienwahl zu verhindern.

Gesetzesinitiative schlummert im Bundesrat

Die Gesetzesinitiative im Bundesrat ist nicht nur auf naturwissenschaftliche Fächer begrenzt. Ein FWJ soll auch in den Ingenieurwissenschaften, Sozial- oder Geisteswissenschaften durchgeführt werden können.
Es gibt auch Kritik an dem Vorstoß Niedersachsens. Es bestünde die Gefahr, dass die zukünftigen FWJler als billige Arbeitskräfte zum Kopieren, Kaffee kochen und für Botendienste eingesetzt werden. Weiter dürften FWJler nicht die Aufgaben von regulär angestellten Hilfskräften und Mitarbeitern übernehmen. Zudem sollen Kapazitäten aus den Studiengängen nicht für die Betreuung der FWJler abgezogen werden und damit Studienplätze verloren gehen oder sich die Betreuungssituation verschlechtern.

Der Gesetzentwurf

Die Initiative Niedersachsens sieht einen „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Jugendfreiwilligendienstgesetzes“ vor. Das FWJ soll als weiterer Freiwilligendienst geregelt werden und in gemeinwohlorientierten Einrichtungen wie Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen möglich sein. Es soll wie das FSJ pädagogisch begleitet werden mit Seminaren, die soziale, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen vermitteln. Zugelassen werden sollen – ebenfalls entsprechend dem FSJ – alle Personen, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Das war 2014. Bis Mitte 2015 hat sich noch nichts Neues getan.

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