Taschengeld-Erhöhung für Freiwilligendienste (FSJ, BFD) ab 2025 – Was sich jetzt ändern soll

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Das freiwillige Engagement junger Menschen ist ein Grundpfeiler des sozialen Zusammenhalts. Doch jahrzehntelang waren die Rahmenbedingungen für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und den Bundesfreiwilligendienst (BFD) finanziell wenig attraktiv – insbesondere für Jugendliche ohne wohlhabenden Hintergrund. Laut der Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, lag das Taschengeld oft bei gerade einmal 150 bis 300€ monatlich. Die Folge: Der Freiwilligendienst war „nur eine Angelegenheit für Kinder von finanziell gut aufgestellten Eltern“. Die Forderung: die Bundesregierung soll mit einer deutlichen Erhöhung gegensteuern.

Neue Höchstsätze ab Januar 2025: Mehr Geld fürs Engagement

Ab dem 1. Januar 2025 wurde die Obergrenze für das Taschengeld im FSJ und BFD deutlich angehoben:

  • 644 € monatlich für Vollzeit-Freiwillige – das entspricht 8% der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Je nach Einsatzort und Träger kann wird jedoch nur zwischen 150 Euro und 300 Euro ausgezahlt. Die genaue Höhe bestimmt nämlich der Träger bzw. die Einsatzstelle.

Das steht in der Kritik der Wohlfahrtsverbände und des DRK.

Forderungen des Deutschen Roten Kreuzes und der Wohlfahrtsverbände

Gerda Hasselfeldt fordert, dass sich die Höhe des Taschengeldes am BAföG-Satz orientieren sollte – also deutlich über der bisherigen Höchstgrenze liegt. Für echte Chancengleichheit schlägt sie zudem weitere Maßnahmen vor:

  • Deutschlandticket oder kostenloses ÖPNV-Ticket für alle Freiwilligen
  • Sachleistungen wie kostenlose Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung
  • Bundeseinheitliche Anerkennung der Freiwilligendienste etwa bei der Studienplatzvergabe

Das Ziel: Freiwilligendienste dürfen nicht finanziell ausschließende „Exklusivprogramme“ sein, sondern sollen für alle offen stehen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

Sachleistungen und Zusatzleistungen 2025 im Überblick

Neben dem eigentlichen Taschengeld können Freiwillige von weiteren Leistungen profitieren:

  • Verpflegung: bis zu 333 €/Monat als Barleistung oder Sachleistung
  • Unterkunft: bis zu 282 €/Monat oder kostenlose Unterkunft
  • Deutschlandticket/Mobilitäts-Bonus: häufig zusätzlich 50–60 €/Monat oder kostenlose Fahrkarten
  • Kostenlose Arbeitskleidung und andere Sachleistungen

Viele Träger bieten Sachleistungen als Alternative zur Auszahlung an, um Steuervorteile zu nutzen.

Sozialversicherung und steuerliche Bewertung

Freiwillige sind während ihres Dienstes vollständig sozialversichert (Kranken-, Pflege-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung). Das gezahlte Taschengeld gilt steuerrechtlich als geringfügiges Einkommen, ist in aller Regel steuerfrei. Ein klassisches Gehalt erhalten Ehrenamtliche nicht.

Auswirkungen auf Bürgergeld und Kindergeld

Für Bürgergeld – Beziehende gibt es, Stand 2025, spezielle Freibeträge:

  • Bis 25 Jahre: bis zu 556 € Taschengeld sind anrechnungsfrei
  • Ab 25 Jahre: monatlich 250 € Freibetrag
    Das Taschengeld wird nicht auf das Kindergeld angerechnet – der Anspruch bleibt während des Freiwilligendienstes erhalten. So bleibt die finanzielle Absicherung bestehen.

Politische Entwicklungen: Pflichtdienst, neue Wehrdienst-Reform und Jugendförderung

Im Schatten der Wehrdienst-Debatte betont Hasselfeldt, dass bei Reformen wie dem „neuen Wehrdienst“ explizit auf den Freiwilligendienst hingewiesen werden sollte. Von einer verpflichtenden Musterung für 18-jährige Männer ab 2028 bis zu neuen Mobilitätsanreizen für Freiwillige steht das Thema auf der politischen Agenda. Das Ziel ist eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung des Engagements und die nachhaltige Förderung der jugendlichen Entwicklung.

Warum die Taschengeld-Erhöhung ein Meilenstein sein muss – Perspektiven für junge Menschen

Die Anhebung des Taschengeldes wäre mehr als eine finanzielle Verbesserung:

  • Sie schafft echte Chancengleichheit, unabhängig vom Familienbudgetzeit
  • Das kann die Zahl der Bewerber:innen aus breiteren sozialen Schichten erhöhen
  • Neben dem gesellschaftlichen Mehrwert bietet der Freiwilligendienst persönlichen Gewinn: Berufliche Orientierung, soziale Kompetenz, Ehrenamt als Berufseinstieg

Wie Hasselfeldt betont: „Viele sind bereit, nach einem solchen Dienst eine Ausbildung im sozialen Bereich zu machen, können sich persönlich entwickeln – und viele arbeiten später auch ehrenamtlich.“

Bewerbungs-Tipps: Was jetzt zu beachten ist

  • Vorab prüfen, wie hoch das Taschengeld bei der ausgesuchten Einsatzstelle ist und welche Zusatzleistungen gewährt werden
  • Nachfragen, ob das Deutschlandticket und Sachleistungen wie Unterkunft und Verpflegung enthalten sind
  • Sozialleistungsbezug und Freibeträge mit der persönlichen Beratungsstelle klären
  • Anspruch auf Kindergeld prüfen

Fazit: Mehr finanzielle Wertschätzung – mehr soziale Teilhabe

Mit der geforderten Taschengeld-Erhöhung würde der Schritt aus ehrenamtlichem Engagement hinaus in eine gerechte Teilhabe für alle möglich. Die gesetzlichen Regelungen und politischen Forderungen – besonders die des Deutschen Roten Kreuzes und seiner Präsidentin Gerda Hasselfeldt – gehen in die richtige Richtung: Dennoch: der Freiwilligendienst in Deutschland muss attraktiver, gerechter und zugänglicher für alle Jugendlichen werden, unabhängig von der eigenen sozialen Herkunft!

Redakteure

  • Ingo Kosick, Redakteur und Experte bei Bundesfreiwilligendinst

    Ingo Kosick ist ein renommierter Experte im Bereich des Sozialrechts in Deutschland. Er hat sich über drei Jahrzehnte lang intensiv mit Themen wie Freiwilligendiensten und sozialer Arbeit auseinandergesetzt. Als Vorsitzender des Vereins Für soziales Leben e.V., der unter anderem die Plattformen www.bundes-freiwilligendienst.de und www.buerger-geld.org betreibt, spielt er eine zentrale Rolle in der Förderung und Information über Freiwilligendienste wie den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Ingo Kosick ist nicht nur ein Gründungsmitglied des Vereins, sondern auch redaktionell verantwortlich für mehrere Online-Plattformen, die sich mit sozialen Themen beschäftigen. Sein Engagement umfasst die Bereitstellung von Informationen zu sozialen Rechten und Pflichten, insbesondere im Kontext von Bürgergeld und Freiwilligendiensten. Durch seine Arbeit trägt er maßgeblich zur Aufklärung und Unterstützung von Freiwilligen und Interessierten bei.

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  • Sabine Martholt Redakteurin bei Bundesfreiwilligendienst

    Sabine Martholt hat Recht und Journalismus studiert und fundierte Kenntnisse im Bereich des Sozialrechts und des Rentenrechts. Beide Rechtsgebiete sind gleichzeitig ihr Hobby, wie sie gern verrät. Bereits vor ihrem ersten Volontariat bei einer Zeitung hat sie sich dem Schreiben gewidmet. Die Entwicklung des Sozialrechts in Deutschland hat sie mit großer Aufmerksamkeit, manchmal aber auch mit Kopfschütteln verfolgt – wie sie selbst sagt. Sie schreibt seit vielen Jahren für unser Online-Magazin. Gute Recherche und die eigene Meinung – beides ist ihr wichtig.

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