Chaos beim Freiwilligendienst im Ausland

Sie nennen sich FSJ im Ausland, Internationaler Jugendfreiwilligendienst, „weltwärts“, „kulturweit“. Es gibt zudem den Anderen Dienst im Ausland und irgendwo schlummert auch noch der Zivildienst, der ebenfalls bedingt im Ausland geleistet werden konnte.

Das sind die staatlich geförderten Freiwilligendienste im Ausland. Daneben gibt es noch eine Vielzahl von nicht geförderten Freiwilligendiensten, die von einer Vielzahl von gemeinnützigen Organisationen angeboten werden.

Es herrscht, gelinde gesagt, ein Chaos bei den Auslandsfreiwilligendiensten

Ein junger Mensch in Deutschland, der sein Abitur oder sonstigen Schulabschluss in der Tasche hat, kann – so versprechen es die Anbieter eines Freiwilligendienstes im Ausland – Gutes tun und gleichzeitig Neues kennenlernen. Soll es ein FSJ in Thailand sein, Hilfsjob als „Kulturweit“-Botschafter am Goethe-Institut in Buenos Aires oder eine „Weltwärts“-Stelle beim Deutschen Entwicklungsdienst? Die Auswahl ist verwirrend und nötigt eine Menge an Vorbereitung und Geduld ab.

Ist die Bewerbung für den Freiwilligendienst im Ausland erfolgreich gelaufen, so wird in aller Regel ein Vorbereitungsseminar in Deutschland besucht, bevor der Flug ins Ausland startet. Danach arbeitet man dann vielleicht in einer Vorschule in Afrika oder in einem Obdachlosen-Zentrum in Chile.

Die Bundesrepublik finanziert Tausende solcher Stellen im Ausland für junge Erwachsene. Mehrere Bundesministerien bieten Programme an. Ein Freiwilligendienst im Ausland ist zu einer Massenware geworden.

Durcheinander von staatlich geförderten Freiwilligendiensten im Ausland

weltwärts

Das Weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist sehr beliebt – steht aber auch in der Kritik. Ist der Auslandsfreiwilligendienst, den die jungen Freiwilligen leisten (über 4000 pro Jahr), ein sinnvoller Beitrag in der Entwicklungshilfe? Oder wird bezahlt der Staat einen Abenteuerurlaub in der Armut?

kulturweit

Das Auswärtige Amt hat ein Auslandsprogramm für junge Erwachsene unter dem Namen „Kulturweit“ herausgebracht. Das Programm ist pädagogisch begleitete.

Internationaler Jungendfreiwilligendienst

Das Familienministerium bietet ebenfalls einen Freiwilligendienst im Ausland an, den „Internationalen Jugendfreiwilligendienst„. 1200 junge Menschen können dieses Angebot jährlich nutzen. Der IJFD wird mit 250 Euro pro Person und Monat gefördert.

FSJ im Ausland

Das FSJ im Ausland ist ebenfalls beim Familienministerium angesiedelt, wird aber nicht mehr gefördert und ist damit zum Auslaufmodell geworden.

Bei den staatlich geförderten Freiwilligendiensten im Ausland herrscht Unübersichtlichkeit: Förderung und das Taschengeld sind von unterschiedlicher Höhe, die Vorgaben und Auflagen, die die Trägerorganisationen zu erfüllen haben, sind ebenfalls unterschiedlich, Manche Dienste sind sozialversicherungspflichtig, andere nicht.

Freiwilligendienstestatusgesetz

Geplant war, das Chaos zu beenden und den Freiwilligendienst im Ausland einheitlicher zu regeln. Ein „Freiwilligendienstestatusgesetz“ ist zwar angekündigt, aber bis zu einem Referentenentwurf scheint der Weg noch weit. Gegen eine Bündelung der Zuständigkeit für alle Auslandsfreiwilligendienste beim federführenden Familienministerium haben sich Außen- und Entwicklungsministerium ausgesprochen.

Für die von den Ministerien betrauten Entsendeorganisationen – es gibt mehrere hundert – hat das Durcheinander durchaus Vorteile. Sie nutzen den Freiraum aus, denn die Nachfrage bei Schulabgängern ist groß und die öffentlichen Fördergelder sind attraktiv.
Es treten auch immer wieder Probleme auf, etwa bei der Visa-Vergabe, oder es werden Einsatzländer aus Sicherheitsgründen von der Liste gestrichen. Oft müssen aus diesen Gründen neue Einsatzstellen her, die nicht immer auch für Jugendliche geeignet sind.

Was nicht vorkommen darf

Viele deutsche Freiwillige haben nicht wirklich etwas zu tun. Oder sie werden überfordert.
Es gibt einige Beispiele, in denen der Freiwilligendienst im Ausland seinen Zweck nicht erfüllt. So, wenn eine Freiwillige in Peru in einem Heim für jugendliche Mütter arbeitet und ohne psychologische Ausbildung mit Vergewaltigungsopfern umgehen soll.

Nicht alle Partnerorganisationen vor Ort kommen zudem mit den Freiwilligen aus Deutschland zurecht. Sie sind mit den jungen Deutschen, die voller Energie ihren Job machen wollen, einfach überfordert.

Gut gemeint bedeutet also nicht unbedingt gut gemacht.

Bei den zuständigen Ministerien kommen solche Erkenntnisse nicht unbedingt sofort. Das BMZ zum Beispiel kennt die Einsatzstellen für seine Freiwilligen oft nur aus den Beschreibungen.
Vertreter von Entsendeorganisationen und BMZ halten dagegen, dass keine Entwicklungshelfer entsandt würden, sondern junge Leute, die mit wertvollen Erfahrungen nach Deutschland zurückkämen.

Qualitätssiegel

Ein Qualitätssiegel für die Freiwilligendienste wird von der gemeinnützigen Agentur Quifd vergeben. Allerdings ist es nur begrenzt aussagekräftig. Eine Vor-Ort-Prüfung der Einsatzbedingungen gibt es nicht – sie ist nicht finanzierbar.
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