BFD-Stellen unbesetzt?

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Die Glut ist gut: Nachfrage nach BFD-Stellen ungebrochen auf hohem Niveau.

 

„Die Nachfrage nach Stellen für den BFD ist eher mäßig. Nur jede sechste BFD-Stelle kann besetzt werden.“ – So oder so ähnlich lasen sich die Schlagzeilen vieler Print- und Online-Medien in den letzten Tagen. Und noch weiter: „Das war in den ersten Jahren des Bundesfreiwilligendienstes anders. Doch seit dem letzten Jahr ist ein Rückgang des Interesses am BFD zu verzeichnen. Die großen Träger weichen deshalb auf das FSJ aus. Der Bundesfreiwilligendienst wurde Mitte 2011 als Nachfolger des Zivildienstes geschaffen. Doch mittlerweile ist Nachfrage von jungen Leuten an diesem Sozialdienst gering. Die großen Träger wie Caritas oder Diakonie können viel Werbung machen und so die offenen Stellen in ihren Alten-, Wohnheimen oder Kitas mit FSJlern besetzen. Kleineren Trägern stehen für Werbung hingegen nur sehr geringe finanzielle Mittel zur Verfügung.“

Ungebrochen hohe Nachfrage nach BFD-Stellen

Doch schauen wir einmal genauer hin. Wie hat sich die Nachfrage nach BFD-Stellen tatsächlich entwickelt?

2013: Es haben im Jahresdurchschnitt bundesweit 40.356 Freiwillige einen Dienst geleistet.

2014: Die Zahl der Freiwilligen, die den BFD leisteten, stieg auf 42.786 Freiwillige an.

2015: Im Mai 2015 gab es 35.849 Freiwillige im BFD.

Betrachtet man diese Zahlen, die der Statistik des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFZA) entstammen, so ist 4 Jahre nach der Schaffung des Bundesfreiwilligendienstes das Interesse ungebrochen hoch. Im letzten Jahr wurden so viele Stellen besetzt wie nie zuvor. 2015 liegen die Zahlen zwar unter dem Höchststand von 2014, doch sie werden sich auf 35 000 bis 40 000 BFDler jährlich einpendeln.

Was ist mit den vielen unbesetzten BFD-Stellen?

Zwar gibt es mehr als 200 000 offiziell anerkannte BFD-Stellen. Hieraus abzuleiten, dass jede sechste BFD-Stelle unbesetzt sei, ist jedoch falsch und irreführend.

Zum einen sollte zunächst nicht verkannt werden, dass es unter diesen offenen Stellen sehr viele Karteileichen gibt. Denn als der BFD 2011 nach dem Aussetzen der Wehrpflicht den Zivildienst ablöste, wurden alle Zivi-Stellen automatisch in anerkannte BFD-Stellen umgewandelt. Seinerzeit, also zu den Zeiten des Zivildienstes, gab es zwei bis dreimal so viele Stellen wie Bewerber. Weil die Kriegsdienstverweigerung ein Grundrecht ist, mussten immer ausreichend Stellen zur Verfügung gehalten werden.

Zum anderen hatte die Bundesregierung nie vorgesehen, dass diese hohe Zahl an offiziellen BFD-Stellen auch tatsächlich besetzt wird. Es wurden immer nur Haushaltsmittel für 35.000 BFDler ausgewiesen – jährlich 167 Millionen Euro.

2014 allerdings reichten die Haushaltsmittel nicht aus, weil die BFD-Anbieter zu viele BFD-Bewerber eingestellt hatten. Der Bund war deshalb gezwungen, wegen dieser „Überbuchung“ einen außerplanmäßigen Aufschlag in Höhe von 11 Millionen Euro zu zahlen. Ein derartiges Haushaltsloch will der Bund jedoch in Zukunft nicht noch einmal stopfen müssen.
Weiter haben die Freiwilligen eine Auswahl zwischen mehreren Einsatzplätzen. Auch aus diesem Grund gibt es mehr Plätze, als finanzierbar sind. Die Nachfrage nach offenen BFD-Stellen ist gegenwärtig sehr hoch und übersteigt die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. Deshalb bleiben Stellen unbesetzt. Eine Aufstockung der Mittel ist gegenwärtig nicht angedacht, da hierfür der Gesetzgeber zuständig wäre.
Zusammenfassung: einige Anbieter von BFD-Stellen könnten zwar mehr Freiwillige einstellen, als es der Bundesetat hergibt. Bislang ist laut Familienministerium keine Erhöhung des Etats geplant.

FSJ als Ersatz für den BFD?

Grundsätzlich stehen FSJ und BFD gleichwertig gegenüber.

Ob das soziale Jahr nun unter dem Titel FSJ oder BFD geleistet wird, ist grundsätzlich unerheblich, da es (fast) keine inhaltlichen Unterschiede gibt. Auch den jungen Leuten ist die Rechtsform egal. Die Bezahlung, das heißt, das Taschengeld, ist beim FSJ und BFD gleich hoch. Bewerbungen für BFD-Stellen sind seltener als Bewerbungen für eine FSJ Stelle.
Eine Ausschreibung einer Stelle als FSJ-Stelle hat jedoch das „Manko“, dass der FSJ nur jungen Menschen offen steht, die das 27. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Diese absolvieren meist nach dem Schulabschluss ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Der BFD hingegen steht Menschen auch jenseits des 27. Lebensjahres offen.

4 Gedanken zu „BFD-Stellen unbesetzt?

  1. Bärbel N.

    hallo, eine Bekannte von mir aus Mexiko hat sich in Süddeutschland bei ca. 50 Stellen online für den Bundesfreiwilligendienst beworben und hat nicht eine Antwort bekommen. Wie kann das sein? Wer hat eine idee was sie machen kann?

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  2. Paul W.

    Uns als Kindertagesstätte ging es ähnlich. Erst in den AGB auf bufdi.eu hat man erfahren, dass man ein Knebel-Abo eingegangen ist. So etwas macht kein seriöser Anbieter.

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    1. Sebastian F.

      Hallo,ich weiß zwar nicht, ob es hier hingehört aber egal.
      Ich hab meinen Zivildienst im Krankenhaus geleistet, nachdem die Zivistellen weggefallen sind, wurde ich dort angestellt.
      Ich wurde in den ersten 2 Jahren 3 mal befristet ohne einen Sachgrund und nach den beiden Jahren, kam wieder eine Befristung mit dem Sachgrund „unbesetzte BFD-Stelle“, und dieser Sachgrund stand in jedem weiterem Vertrag drin.
      Ich wurde seitdem der Grund drin steht schon 5 mal verlängert, weil kein BFD-ler kam und das in 1,5 Jahren. Ist das überhaupt rechtens?
      Darf denn ein BFD-ler einen Angestellten den Arbeitsplatz sozusagen wegnehmen?

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  3. K. M.

    Dass so viele BFD-Stellen unbesetzt sind, ist wohl nur ein PR-Gag der privaten Stellenbörse bufdi.eu, vor der auch auf der offiziellen Seite des Bundesfreiwilligendienstes gewarnt wird. Wir als Träger für Freiwilligendienste sowohl unter der Überschrift FSJ als auch BFD sind von dieser Stellenbörse auf bufdi.eu riesig enttäuscht – wenn nicht sogar getäuscht worden. Dass man hierfür monatlich 29 Euro zahlen muss, ist ja noch ersichtlich. Aber dass man dann 2 Jahre vertraglich gebunden ist, findet man nur im Kleingedruckten. Und verpasst man die Kündigungsfrist, so werden aus 2 Jahren ganz schnell 4 Jahre.

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