Beiträge von Rea

    Hallo Leserschaft,
    ich möchte Euch einen kleinen Einblick in meinen Bundesfreiwilligendienst erlauben.


    Mit der Intention Gutes zu tun habe ich mit im Oktober letzten Jahres für den Bundesfreiwilligendienst entschieden. Als Träger kam, durch Vitamin-B, das Deutsche Rote Kreuz in Frage.


    Die ersten Wochen stressten einen enorm. Ständige 6-Tage-Wochen waren Programm. Bis zum Dezember änderte sich daran auch nichts. Entweder 6 Tage von 0600 Uhr - 1800 Uhr, oder 6 Tage von 0600 Uhr - 1330 Uhr. Erlangte man die Gunst der Chefetage durfte man 5 Tage und dann von 1100 Uhr - 1800 Uhr arbeiten.


    "Seid doch zufrieden, seid froh das ihr hier seid!" hieß es immerzu, kritisierte man die Arbeitszeit.


    Mit der Zeit kamen weitere BFD'ler (Bufdies hat, so finde ich, einen wertenden Unterton), der Schichtplan wurde daraufhin angepasst. Es gilt nun 3 Tage die Woche von 0600 Uhr - 1800 Uhr zu arbeiten, bei Bedarf wird man jedoch auch an den freien Tagen wachgeklingelt und zur arbeit geordert.


    "Ihr habt unterschrieben jede Euch auferlegte Arbeit zu erledigen!" ist ein beliebter Kontor von denen. Von denen im Büro, von denen die keinen Patientenkontakt haben.


    Patientenkontakt. Ich arbeite im medizinischen Transportdienst des DRK.
    In den bisher vergangenen Monaten empfinde ich die gelobten Grundsätze als dreiste Heuchelei.



    Aktuelles Beispiel, diese Woche:
    Krebskranke Patienten (im folgenden neutral 'Kunden' genannt) werden unverständliche 4 Stunden, bei einer Ambulanzfahrt, im Stich gelassen. "Wir müssen schnell jemand anderen fahren, in 30 Minuten sollten wir zurück sein..." ist die Ausrede, die wir hernehmen müssen, wenn uns der Koordinator von einer Ambulanzfahrt abzieht um, aus purer Wirtschaftlichkeit, schnell einige weitere Kunden zu fahren. Die eigentliche Ambulanzfahrt wird vernachlässigt, verschoben und letztendlich vergessen.


    Nach einigen Anrufen aus dem versorgenden Krankenhaus wird dann endlich ein Fahrzeug abgestellt, den wartenden Kunden abzuholen.


    "Mein Leben lang habe ich gespendet, dem Deutschen Roten Kreuz mehrmals im Jahr ausgediente Klamotten gestellt ... und wofür? Ich habe Darmkrebs, gehe am Stock und warte hier nach 15 Minuten Wartezeit und 30 Minuten Behandlung geschlagene 4 Stunden auf Euch. VIER Stunden!" waren die weinenden Worte der älteren Kundin.


    Anderer Fall, ebenfalls entrüstend für den Aufhänger Menschlichkeit:
    Zwei Dialysepatienten genießen ihren Lebensabend in ein und der selben Seniorenresidenz. Den Termin zu Dialyse haben sie zur selben Uhrzeit. Unsere Aufgabe: Rottet sie in einem Wagen, nehmt auf dem Weg zur Dialyse einen weiteren Kunden mit.
    'Kunde1' ist bettlägerig. Er, der Kunde, wird mit Flüssignahrung ernährt, ist nicht ansprechbar. 'Kunde2' ist nach einem schweren Schlaganfall gelähmt, sitzt im Rollstuhl.
    'Kunde3' ist schwerfällig, zuhause liegt er fast ausschließlich im Bett, am Sauerstoff. Wird von uns im Tragestuhl transportiert.


    Alle drei Patienten sollten in einem Krankgentransporter befördert werden. Sollte einer der drei 'Kunden' nach, oder vor, der Dialyse hilfe brauchen, in Form von einer Brechtüte, oder meinetwegen ernsthafte lebensrettende Maßnahmen, so haben wir keine Chance auf diesen Patienten zu kommen. Der Wagen ist voll. Um an den Rollstuhl zu kommen, der vor dem Trugestuhl im Auto befestigt wird und neben der Krankentrage steht, müssten wir zuerst den Tragestuhl aus dem Auto schaffen. Heißt im Fall der Fälle: Bei strömendem Regen anhalten, 'Kunde3' in den Regen stellen und 'Kunde2' versorgen.


    'Kunde2 & 3' haben mehrmals die Beschwerde geäußert, dass sie für ihren eigenen Transport bezahlen, dass es für jeden einen einzelnen Transportschein gibt und sie deshalb auch fordern alleine in einem Wagen gefahren zu werden. Eben um auch eine gewisse Fürsorge erwarten zu können.


    Leitet man diese Beschwerden weiter, so bekommt man nur zu hören:"Wer? Ach die. Ja die sind nur bei der AOK, das ist egal, die bezahlen immer. Nur bei der Barmer sollten wir drauf acht geben".


    Den Ausflug in meinen Bundesfreiwililgendienst könnte man mit Beispielen solcher Dramen fluten. Blinde, die man ohne Begleitperson fahren soll, weil man statt dieser lieber einen 2. Patienten/Kunden on Board nimmt. STUNDENlange Wartezeiten für Kunden auf Ambulanzfahrten - meistens leider Krebskranke.
    Mich frustriert es oft ein rotes Kreuz auf der Brust zu tragen, dass angeblich für Freiwilligkeit und Menschlichkeit steht.


    Unsere Chefetage sagt, sprechen wir die manchmal unregelmäßige und hohe Arbeitszeit an: "Wenn ihr weniger arbeiten wollt, dann holt mir mehr Bufdies ran!".


    Bei aller Liebe zum Menschen, bei meiner gute gemeinten Intention Menschen helfen zu wollen, aber mir fällt dann nur ein "Am Arsch!" ein.