Beiträge von schwarzewitwe

    War denn im Arbeitsvertrag ihres Sohnes keine Arbeitszeitregelung festgeschrieben?


    40 Stunden sind im Bundesfreiwilligendienst keine Seltenheit, ich selbst hatte eine 39.5 Std. Woche, habe allerdings auch mit BFDlern gesprochen, die bis zu 12 Tage hintereinander arbeiteten. Leider bekamen nicht alle die Chance, diese "unerlaubt" geleisteten Überstunden auch wieder abzugleiten, denn sie standen durch die Zusage eines Ausbildungsvertrags in einem offensichtlichem Abhängigkeitsverhältnis.


    Der Bundesfreiwilligendienst ist an sich eine gute Sache, leider ist er nicht ansatzweise so gut durchgeplant und offiziell reglementiert, wie es bei einem Projekt solcher tragweise von Nöten gewesen wäre.


    Vielleicht würde es sich lohnen beim BAFzA nocheinmal nachzuharken, auch wenn es für ihren Sohn nicht mehr relevant ist. Andere junge Menschen, die an seine Stelle träten, bekämen dadurch die Chance auf eine fairere Behandlung.

    Hallo Putzel,


    so oder ähnlich habe ich einen großen Teil meines Dienstes auch erlebt. Trotz meiner Bitte, möglichst viele Einblicke in die praktischen Seiten eines Berufes im medizinischen Tätigkeitsfeld erhaschen zu dürfen, wurde ich wochenlang in muffigen Kammern zum (teilweise bis zu einem Jahr) aufgeschobenen Aktensortierungsaufgaben verdonnert, und wenn doch mal etwas praktisches anstand, wurden die Patienten mit den größten, eitrigsten und pilzbefallensten Wunden kurzerhand zu "meinen" erklärt.
    Wundmanagement, teilweise sogar mit dem Anlegen medizinischer Maden und ohne fachkundige Anleitung oder Aufsicht, ist also auch mir bestens bekannt.


    Ich selbst wurde durch falsches Anlernen (eines anderen, medinzinisch nicht vorgebildeten Bufdi's) in die Zwickmühle gebracht, komplette Voruntersuchungen in der hiesigen Augenabteilung (Sehtests, Ultraschalluntersuchungen des Auges, Brillenvermessung, (nach eigenem Gutdünken tropfen der Augen mit verschiedenen Mitteln) und Elektrodenuntersuchungen vornehmen zu müssen. Hier wurde es entgültig auch mir zu bunt, und ich habe mich strikt geweigert.


    Der Bufdi vor mir allerdings nicht, was heißt, dass die Sehtests in unserem Krankenhaus ganze 6 Monate mit z.T. stark verfälschten (!) Ergebnissen in die Diagnosestellung eingingen.


    Und das ist nur ein erschreckendes Beispiel von Vielen, die ich Zeit meines Schaffens bisher hier mitverfolgen konnte.


    Die Misere mit den Arbeitszeiten ist durch meine Zugehörigkeit zum Ambulanzpool (wie Arztpraxen, mit zwar längeren, aber dennoch besser geregelten Arbeitszeiten) dem Himmel sei Dank an mir vorüber gegangen, allerdings beschäftigt das Haus auch FSJler (denen man ja noch weniger bezahlen muss), die ausschließlich im stationären Dienst arbeiten, und mir Ähnliches zu berichten wussten.


    Ich kann also durchaus nachvollziehen, was du sagst.
    Hast du schoneinmal daran gedacht, deinem Regionalbetreuer einen Bericht zukommen zu lassen?
    Im August läuft meine Dienstzeit ab, und ich habe beschlossen, die eklatanten Misstände hier im Klinikum zu melden, um wenigstens den möglichen Bufdi's nach mir ("billige" Arbeitskräfte, sie werden mit Sicherheit Neue anwerben) ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

    Hallo Allerseits,


    nachdem ich hier ein wenig gestöbert habe, traue ich mich nun auch einmal, ein paar meiner Erfahrungen, die ich seit dem 1.09.2011 in einem großen Klinikum in NRW im Rahmen des BFD gesammelt habe.


    Vorrausschicken möchte ich, dass ich mit der Chefin des Ambulanzpools, die mich den verschiedenenen Ambulanzen zuteilt, ausgemacht habe, dass ich möglichst viel sehen möchte, und deswegen im Laufe dieses jahres 4 verschiedene Ambulanzen für je 3 Monate besuchen werde.


    Die Idee war vielleicht schön, leider scheiterte sie an der Realität. Nach neun Monaten arbeite ich nun schon in der 4. Abteilung und warte auf meine Versetzung in die 5., weil auch hier die Umstände an's Unerträgliche grenzen.


    Im Laufe meines 3/4 Jahres hier wurde ich schlecht/teilweise garnicht angelernt, mit Aufgaben beladen, die ohne medizinische Ausbildung schnell ziemlich in's Auge gehen können, gemobbt, belogen, illegalerweise mündlich gefeuert, ausgenutzt, unter Druck gesetzt, von der Poolleiterin allein gelassen und als Sündenbock missbraucht.


    Ich glaube sehr wohl, dass der BFD für alle Seiten ein Gewinn sein kann, wenn ich mich allerdings nocheinmal umentscheiden könnte, würde ich ihn lieber in einem gemeinnützigen Verein machen, der die Hilfe wirklich zu schätzen weiß, als in einer riesigen "Firma" mit weit über 3000 Mitarbeitern. :(


    So jedenfalls ist das ganze ein Reinfall, ein eindeutig verlorenes Jahr.