Sinn bzw Unsinn vom BFD



  • Viel Verlangen- nicht dafür bezahlen wollen, so kann das hoffentlich nichts werden.
    Der BFD ist m.E. eine Frechheit für jeden, der Gerechtigkeit will.


    Es scheint allerorten zu haken, vielleicht nicht nur weil sich hoffentlich zu wenige finden, die sich ausbeuten lassen, sondern vielleicht auch, weil selbst die Anbieter keinen Bock mehr haben, das soziale Arbeit in diesem Land fast überall ausgebeutet werden soll, während die Politik Milliarden in die Kasse der Reichen und Superreichen schauffelt.


    Mal weitere aktuelle Beispiele, für den harzigen Start des BFD:


    http://www.op-online.de/nachri…al-muehlheim-1344869.html




    Ich habe dazu einen Leserbrief verfasst:


    Zitat


    Laut Meldung der OP lassen sich Stellen im Bundesfreiwilligendienst vor Ort aktuell nur schwer besetzten. Für mich ist das naheliegend und die Schwanengesänge der hiesigen Stellenanbieter scheinen mir unehrlich. Wer wegschaut bzw. schweigt, braucht sich um fatale Folgen nicht zu wundern. Die unsicheren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und erschwerte Studienbedingungen (Studiengebühren in vielen Bundesländern), da überlegt sich ein Teil der künftigen Generation "Praktikum" vielleicht sehr genau, ob er oder sie noch freiwillig gute Arbeit für schlechten Lohn erbringen will. Viele Menschen können sich nämlich nicht die Realitätsflucht leisten, die für einige Stellenanbieter des Bundesfreiwilligendienstes kennzeichnend scheint: "Die Auflagen, die die Feuerwehr stellt, sind gering. Mindestens 18 Jahre muss der Bewerber sein und ein Fahrzeug besitzen, das war´s."


    Sollte diese lockere Schreibe suggerieren, dass ein potentieller Interessent für den Job auch schon mal mit dem eigenen Bobby-Car zur Bewerbung vorrollen darf, fände ich das spaßig, sympathisch und wenn vielleicht auch nicht ganz alltagstauglich, doch zumindest konsequent gedacht.


    Sollte die Mühlheimer Feuerwehr jedoch lieber einen ausgewachsenen PKW für den vorgesehenen Dienst als notwendig erachten wollen, dann scheint ihr leider die Einsicht zu fehlen , dass ein solcher PKW selbst in Kleinausführung schnell einmal mehr an monatlichen Kosten verschlingen kann, als das, was der freiwillige Helfer an Vergütung für seine angeblich so wertvolle Arbeit bekäme. Bei aller Sympathie für die Feuerwehr, die leider eher sich selber als andere ausbeutet, das möchte ich loswerden: Sinnvoll arbeiten, wenig Geld dafür bekommen, so dass man für die monatlichen eigenen Kosten drauflegen muss - dafür sollte sich jede(r) freiwillig zu schade sein. Wer für alle wertvoll arbeitet, sollte auch von allen (zumindest denen, die das können) fair bezahlt werden.
    __________________

  • Mein Daumendrücken, dass der Leserbrief in der Zeitung gedruckt wird, hast Du! :)
    Allerdings überwiegen derzeit ja noch die Berichte, in denen die Verbände händeringend nach Leuten suchen und nicht die Bewerber nach freien Stellen.


    Als ob das abgesprochen wäre... Ich denk mal nicht weiter drüber nach.


    LG,


    Pinguin

  • händeringend, ist absoluter Schwachsinn. Mittlerweile wird der Begriff, im Zusammenhang mit BFD ganz gerne verwendet... naja.. Es hört sich immer so an, als würde sich keiner melden bzw es würde keiner BFD machen wollen. Das ist aber nicht der Fall, es gibt genung, aber die will Niemand haben :cool:

  • Genau, aber es macht sich ja allemal besser in der Öffentlichkeit zu behaupten, es finden sich keine Freiwilligen. Wer nicht auf der Suche nach einer Stelle ist, kriegt ja kaum etwas mit von dem Theater und glaubt der Presse.


    Mir wurde jetzt von offizieller Seite mitgeteilt, dass die Liste mit freien Plätzen unverbindlich ist und Änderungen unterliegt, weil Stellen besetzt werden, nicht mehr existieren, aberkannt wurden etc. Ja toll - und nun stehen noch ganze 4 Einsatzstellen drauf. Dabei weiß ich definitiv, dass Plätze, die vorher angegeben waren, noch gar nicht anerkannt sind.


    Was war denn der 1. Juli für ein Datum? Bestimmt nicht der Tag, an dem der BFD starten soll. Das wird wohl eher der 1. April...:rolleyes:


    Wenn jetzt auch noch BFD und Bürgerarbeit konkurrieren, ist ja klar, wer auf der Strecke bleibt. Diejenigen, die sich freiwillig gemeldet haben. :mad:


    LG,


    Pinguin

  • Ich habe mich um eine BFD-Stelle ab 01.09.2011 bemüht und habe 2 Angebote bzw. Verträge vorliegen, welche aber für mich nicht annehmbar sind.


    Beide Stellen haben eine 40-Std.-Woche. Das Taschengeld soll 180 bzw. 200 Euro betragen. Dazu kommen jeweils 50 und 100 Euro pauschal für Unterkunft und Verpflegung. Das bedeutet, dass ich mit 330 bzw. 350 Euro monatlich klarkommen müßte, was unmöglich ist.


    Also habe ich bei der ARGE wegen Aufstockung Hartz4 vorgesprochen. Die Info die ich dort bekommen habe lautet: "... bis auf 90 Euro wird ALLES auf die Hartz4-Leistungen angerechnet ...Fahrten zur Einsatzstellen sind SELBST zu tragen!"


    DIES BEDEUTET IM KLARTEXT:


    Wer sich für den BFD entscheidet ist SCHLECHTER gestellt als ein Hartz4-Empfänger !!!


    DAS IST MODERNE VOM STAAT GEDULDETE bzw. GEFÖRDERTE SKLAVEREI !!!


    So wird soziales Engagement nicht gefördert, sondern VERHINDERT!


  • Du sagst es!


    Die von dir genannten Beispiele sind krasse Unverschämtheiten,
    ich finde es schon unter allem Niveau, das so ein Müll überhaupt angeboten wird.


    Ich würde an deiner Stelle denen mal eine kritische Antwort schreiben, in der du auch vermelden könntest, dass du sich sozial engagieren willst, aber auch von etwas leben musst/Willst und dich nicht ausbeuten lassen willst!


    Und wenn diese Stellenanbieter öffentlich rumjammern wollen, sie fänden niemand auf diese "Angebote", dann
    schreibe einen Leserbrief oder mache sonst wie irgenwie klar, warum dem so sein könnte.

  • Ostsachse ! Hallo,könnte es sein,daß genau d a s beabsichtigt ist ?Man vergrault die Interessenten am BFD solange,bis man seitens der Frau Leyer dann vermelden kann,es gäbe nicht genug Bewerber und n u n "müsse" man auf H4er zurück greifen.......Ich traue der Politik inzwischen j e d e Schandtat zu,die H4er zu zwingen.

  • Zitat von psychubufdi;596

    Ostsachse ! Hallo,könnte es sein,daß genau d a s beabsichtigt ist ?Man vergrault die Interessenten am BFD solange,bis man seitens der Frau Leyer dann vermelden kann,es gäbe nicht genug Bewerber und n u n "müsse" man auf H4er zurück greifen.......Ich traue der Politik inzwischen j e d e Schandtat zu,die H4er zu zwingen.


    Ich traue das der Politik auch zu. Es ist schamlos, wie die Politik sich bzw. ihren Gönnern (Parteispendern und sonstigen Lobbiisten) die eigenen Taschen füllt, dann aber für menschen mit H 4 quasi nur so wenig übrig hält, dass es zu viel zum Sterben und zu wenig zu einem menschenwürdigen Leben ist.


    Es ist eh pervers, dass in seiner solch verlogenen Gesellschaft, wo das Geld das Maß aller Dinge scheint, Menschen für gnadenlose (Selbst)Ausbeute gesucht werden. Der Gier von vielen, die eh schon mehr als genug haben, wird von der Politik nichts entgegen gesetzt, gleichermaßen bejubelt man wie toll doch die gemeinnützige selbstlose Arbeit wäre (zu der man selber nicht willens ist).


    Und unsere verzockte Gesellschaft schaut zu, anstatt mal ordentlich auf den Putz dieser scheinheiligen Dekadenz zu hauen. Da muss sich gewaltig was ändern.

  • Also ich hab jetzt mit dem BFD vor ca. 2-3 Wochen angefangen und ich muss ehrlich sagen, lasst die Finger davon es ist Ausbeutung ohne Ende.
    Ich geh um 7 morgens aus dem Haus und komme manchmal um 7 Uhr abends wieder nach Hause für um die 330 Euro. Da anfangs nicht klar war wieviel ich verdiene hab ich einfach mal mit dem BFD angefangen und gewartet was auf dem Kontoauszug steht. Ich bin vor Wut fast in die Luft gegangen.
    Sklaverei neu erfunden so könnte man es auch nennen besonders da ich von dem geld noch 100 Euro Spritkosten abzweigen muss.
    Ich werde ab nächsten Monat mir einfach eine andere Stelle suchen, Nebenjob auf 400 Euro Basis in meiner Nähe, man verdient ein bisschen mehr, arbeitet aber nicht so viel wie bei einem Bfd.


    Die Arbeit macht Spaß und ist auch interessant aber nicht für dieses Geld

  • Zitat von Chris_x2;663

    Also ich hab jetzt mit dem BFD vor ca. 2-3 Wochen angefangen und ich muss ehrlich sagen, lasst die Finger davon es ist Ausbeutung ohne Ende.
    Ich geh um 7 morgens aus dem Haus und komme manchmal um 7 Uhr abends wieder nach Hause für um die 330 Euro. Da anfangs nicht klar war wieviel ich verdiene hab ich einfach mal mit dem BFD angefangen und gewartet was auf dem Kontoauszug steht. Ich bin vor Wut fast in die Luft gegangen.
    Sklaverei neu erfunden so könnte man es auch nennen besonders da ich von dem geld noch 100 Euro Spritkosten abzweigen muss.
    Ich werde ab nächsten Monat mir einfach eine andere Stelle suchen, Nebenjob auf 400 Euro Basis in meiner Nähe, man verdient ein bisschen mehr, arbeitet aber nicht so viel wie bei einem Bfd.


    Die Arbeit macht Spaß und ist auch interessant aber nicht für dieses Geld


    Richtig. lass dich nicht eine Sekunde länger von diesen verlogenen Sklavenhaltern ausbeuten.
    Kündigen, am besten gar nicht so einen Dienst antreten und klare Widerrede, wenn die angepassten Befürworter des BFD
    (die meist selber fett verdienen) mal wieder eine neue Runde Heuchelei starten wollen.

  • Jepp, ich versteh Dich auch, Chris_x2. Bei Vollzeit kann man sicherlich besser bezahlte Jobs erwischen. Die Struktur des BFD lädt zur Ausbeutung ein.


    Bei mir ist es etwas anders gelagert, weil ich nur Teilzeit mache und dafür zwar auch nur 'nen Appel und 'nen Ei verdiene, aber als Ledige wenigstens die Krankenversicherung etc. bezahlt bekomme. Und bisher ist meine Tätigkeit auch gut machbar.
    Hab heute einen Mit-BFD'ler beim gleichen Träger wiedergetroffen. Der hat wesentlich mehr zu tun...
    Für mich ist der BFD bisher die "psychisch gesündere" Alternative zu dem Stress, den ich mit dem Jobcenter bekäme, wenn die mir was zuweisen würden. :eek:


    LG,


    Pinguin

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