Freiwilliger oder ausländischer Billiglöhner

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    • Freiwilliger oder ausländischer Billiglöhner

      Hallo Freiwillige, solche die es mal werden wollen.

      Ich möchte euch davon berichten wie ich meinen Freiwilligendienst bis hierhin erlebt habe.
      Seit 3 Monaten bin ich nun schon in einem Kurzzeitpflegecenter in der Republik Irland und so langsam werde ihc mit der Situation immer unzufriedener.
      Von meinem Träger wurde mir im vorhinein mitgeteilt, dass die Stelle mit Pflege in der Regel nichts zu tun hat. Pustekuchen! Ich habe derzeit die gleichen Aufgaben wie die hier festangestellten Supportworker und arbeite 35 Stunden die Woche (Menschen auf der Toilette, beim Aufstehen, Duschen usw. helfen, kochen, putzen, Wäsche waschen,...). Ich lebe in einem ca. 10 m² großem Zimmer ohne Badezimmer. Es war angedacht, dass ich ein öffentliches Badezimmer nutze, da ich mich jedoch gut mit meiner Mitfreiwillige verstehe, darf ich ihr Badezimmer nutzen.
      Bevor ich den Dienst antrat, dachte ich, ich würde durch die Freude der Menschen, welchen ich eine besondere Freude machen kann, bezahlt werden, doch dazu habe ich keine Zeit. Ich arbeite entweder von 8 bis 3 oder von 4 bis 11, oft ohne Pause.
      Wer so viel arbeitet braucht auch einen Ausgleich, doch diesen bekomme ich leider sehr selten. Ich bekomme 40 Euro Taschengeld in der Woche (was in Irland, wo ein kleines Burgermenu schon über 10 € kostet, sehr wenig ist) und kann damit nicht viel mehr als die nötigsten Dinge bezahlen (Duschgel, Rasierer, neue Klamotten, falls welche kaputt gehen,...). Mir fehlt einfach der Ausgleich von der belastenden Arbeit. Selbst wenn ich frei habe, werde ich oft von Bewohnern und auch Mitarbeitern um Hilfe gebeten und da ich in der Großen Wohnküche kochen und essen muss kann ich mich auch schlecht von der Arbeit zurückziehen.
      Ich fühle mich derzeit eher als ein billiger Arbeiter aus dem Ausland als ein Freiwilliger welcher durch die Freude,welche er anderen bereiten kann, bezahlt wird.
      Leider ist es im Center so stressig (Personalmangel) dass ich mich schon damit abgefunden habe, dass dies zu mienen Aufgaben gehört, doch hat mcih dies auf die Idee gebracht mal zu berechnen was mein Chef so an mir spart:
      18 Jährigen im ersten Arbeitsjahr steht 80% des Mindestlohns zu, davon können pro woche noch um die 60 Euro für Kost und Logie abgezogen werden, mein Chef müsste mir allesin allem noch 144 Euro mehr pro Woche zahlen und spart somit an meinem Freiwilligendienst rund 7500 €, gegenüber einem Arbeiter nach Mindestlohn. Realistisch gesehen verdienen die Angestellten hier jedoch keinen Mindestlohn von 8.65 € pro Stunde, sondern 13-15€, am Wochenende sogar bis zu 30 Euro die Stunde. Selbst im Verlgeich zu anderen Irland Freiwilligen verdienen wir am wenigsten. Meist bekommen diese um die 60€, aber auhc bis zu 115€ die Woche - und diese sind lediglich für die Freizeitgestaltung der Freiwilligen da und arbeiten zum Teil nur 6 Stunden am Tag (und bekommen dafür 115€ die Woche).
      Das musste einfach mal Raus.

      Hab ihr ähnliche Erfahrungen? Habe ich eine verkehrte Einstellung?

      Viele Grüße
      Felix
    • Hallo Felix,

      ich kann dich gut verstehen. Ich habe Kolleginnen und Kollegen, die mir Ähnliches berichtet haben. Aber das ist nicht nur beim BFD so, sondern auch bei vielen von der Arbeitsagentur vermittelten Auslandsstellen, bei Animateurstellen, etc.

      Deshalb bin ich damals weggekommen von dem Vorhaben im Ausland zu arbeiten. Wenn du dauerhaft in Irland arbeiten willst, dann such dir doch dort ne Arbeit und kündige dann deine BFD Stelle.

      MFG Mäusegruppe
    • Danke für diesen Bericht! Ich finde es wirklich schlimm, dass man bei einer freiwilligen Arbeit so ausgenutzt wird. Was soll denn das? Man will doch nicht nur für die Arbeit leben sondern eben für andere Dinge. Man will doch auch Freizeit haben, wie du sagst, man braucht einen Ausgleich. Da wäre es ja fast intelligent, wenn man sich, bevor man so was macht, einen Puffer anspart.
    • ich muss ehrlich sagen, dass ich einen angesparten Puffer habe. Doch ich werde diesen nur im Notfallnutzen. Die Verhältnisse in Irland sind nciht so schlecht, dass es nicht möglich wäre auch den Freiwilligen eine annehmbare Zeit zu ermöglichen. In meinem Heim haben die Bewohner ca. 30 m² Wohnungen mit Küche und Bad und bekommen jeden Wunsch von den Lippen gelesen. Für einen längerfristigen Bewohner wurde sogar der kleine Flachbildfernseher gegen einen monströsen ausgetauscht.
      Ich hoffe ganz einfach auf Einsicht bei den Verantwortlichen und versuche durh Gespräche Änderungen zu erzielen.