Freiwilligendienst: Erfahrungen im Ausland

Die Frage, die sich immer wieder stellt: Soll ich nach der Schule direkt arbeiten oder studieren? Oder gibt es andere Möglichkeiten? Ja es gibt sie: viele junge Erwachsene entscheiden sich für einen sozialen Freiwilligendienst im Ausland.

Was gibt es für Freiwilligendienste im Ausland?

Neue Türen öffenen in einem Freiwilligendienst im Ausland.

Sehr viele Organisationen vermitteln Freiwillige für einen frei wählbaren Zeitraum an Entwicklungsprojekte ins Ausland. In nicht wenigen Fällen müssen die Helfer hierfür Geld zahlen. Dies wird „Voluntourismus“, genannt. Das Wort setzt sich aus „volunteering“ und „tourism“ zusammen.

Neben diesen flexiblen Freiwilligendiensten gibt es staatlich oder europäisch geförderte Freiwilligendienste. Zu nennen sind etwa der Internationale Jugendfreiwilligendienst, das Programm „weltwärts“ oder der Europäische Freiwilligendienst. Mit diesen Programmen werden junge Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren für mindestens sechs Monate ins Ausland entsendet. Zum Programm gehören auch verpflichtende vor- und nachbereitende Seminare.

Erfahrungsberichte von Freiwilligen

Wir haben mit einigen „unserer“ Freiwilligen gesprochen, die einen Freiwilligendienst in Asien, Afrika, Ost- oder Westeuropa gemacht haben.

Markus, 23 Jahre alt, machte einen Europäischen Freiwilligendienst in Polen.

Was hat er genau gemacht? Bei Markus ging es um geschichtliche und politische Bildung in einem jüdischen Bildungszentrum in Ausschwitz. Er half bei der Vorbereitung und Durchführung von deutsch- und englischsprachigen Führungen im Museum.

Warum der Freiwilligendienst?

Ich wollte nicht direkt von der Schulbank auf die Vorlesungsbank der Uni. Ich wollte vor dem Studium noch etwas Anderes erleben, ein Stück von der Welt sehen. Ich kannte durch die Schule bereits die Arbeit der Aktion Sühnezeichen. Es ist eine Organisation, die sich mit dem Nationalsozialismus und den Folgen des Holocausts auseinandersetzt.

Und in Auschwitz zu arbeiten, einem Ort, der ein Synonym für Nazi-Verbrechen ist, war eine besondere Herausforderung für mich.

Woran hast du bei der Vorbereitung nicht gedacht?

In den ersten Wochen des Freiwilligendienstes fiel mir das Alleinsein schwer. Ich hatte eine Wohnung für mich allein, andere Freiwillige waren in WGs untergebracht. Und ich hatte kein Internet. Da fühlte ich mich doch schon ziemlich einsam. Familie und Freunde waren nur schwer zu erreichen. Das war eine große Umstellung.

Und es gab nicht immer viel zu tun. Manchmal war ich allein mit Büroarbeit beschäftigt, also Briefe zu sortieren und abzustempeln.

Was fandest du besonders gut?

Ich habe sehr viel darüber gelernt, wie man der Vergangenheit in der Gegenwart begegnen kann und sollte. Ich habe gelernt, wie man mit Auschwitz als Ort umgehen können sollte. Ausschwitz ist nicht nur Vergangenheit, es gibt viel Gegenwart dort, Freizeit, Nachtleben, Alltag.
Mein FSJ im Ausland hat mir persönlich gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Für mich war es der Ausschlag, dass ich nun Geschichte an der Uni studiere.

Thomas, 22, ging mit dem Programm weltwärts nach Vietnam.

Was hat er genau gemacht?

Thomas beschäftigte sich mit Assistenz-Arbeit. Es ging um Fundraising, Public Relations, Finanzen. Aber er unterrichtete Kinder auch Englisch in einer NGO.

Warum der Freiwilligendienst?

Ich wollte unbedingt ins außereuropäische Ausland und dabei testen, ob Entwicklungsarbeit auch für meine berufliche Zukunft eine Option ist.

Woran hast du bei der Vorbereitung nicht gedacht?

Der Inhalt meiner Aufgaben innerhalb der Organisation war ziemlich anspruchsvoll. Dafür war ich an sich mit meinem Abitur nicht qualifiziert. Dennoch bin ich mit ihnen fertig geworden. Hier in Deutschland hätte man sicher nur eine studierte Fachkraft mit diesen Aufgaben betraut.

Was fandest du besonders gut?

Ich habe Land und Leute kennen gelernt, wie sie von Deutschland aus nie gesehen werden. Wir in Deutschland richten unseren Fokus nur auf Dinge, die wirtschaftlich bedeutend sind oder bei denen es um Leben und Tod geht – jedenfalls wenn es um das politische Geschehen im Ausland geht. Ich habe einen Einblick in den Alltag und die Probleme der Menschen gewonnen.
Die Arbeit mit den Kindern hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich finde es wichtig, ihnen Selbstvertrauen zu geben und für die Probleme der Welt zu öffnen.

Mein Freiwilligendienst im Ausland war auch ausschlaggebend für mein Studium. Ich studiere ich Politikwissenschaft und will später in der Entwicklungshilfe arbeiten.

Katharina, 19, gibt mit dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) nach Peru.

Was hat sie genau gemacht? Katharina war Mitarbeiterin im Pflegeheim für Menschen mit Behinderung und im Kindergarten (Zwei- bis Sechsjährige) einer Kirchengemeinde.

Woran hast du bei der Vorbereitung nicht gedacht?

Ich hätte nicht erwartet, dass ich innerhalb eines Jahres so gut spanisch sprechen würde. Ich habe erst kurz vor meinem FSJ im Ausland angefangen, spanisch zu lernen. Nach einem Jahr konnte ich mich sehr gut verständigen, auch bei den wirklich wichtigen Themen. Es war schön zu erleben, dass man auch dann an einem fremden Ort Fuß zu fassen und Freunde finden kann, wenn man die Sprache erst lernt.

Sehr traurig fand ich, dass Eltern ihre Kinder wegen einer Behinderung ins Pflegeheim geben. Aber auch die Zustände im Heim fand ich kritisch. In Deutschland wäre so etwas nicht denkbar. So wurde ein Kind beispielsweise an den Rollstuhl gefesselt. Manche der Schwerstbehinderten sind aus dem Heim auch das ganze Jahr nicht herausgekommen.

Was fandest du besonders gut?

Für mich persönlich fand ich gut, dass ich aus den kritischen Situationen vor Ort für mich die Motivation gewonnen habe, einen Beruf zur Verbesserung der Situation von behinderten Menschen zu wählen. Ich studiere jetzt Rehabilitations-Psychologie. Ich möchte dazu beitragen, behinderten oder benachteiligten Menschen zu einem glücklicheren und lebenswerten Leben zu verhelfen.

Johanna, 21 ging mit „weltwärts“ nach Pretoria in Südafrika.

Was genau hat Jahanna gemacht?

Ihr oblag die Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei einer NGO. Die Organisation hat unterschiedliche Projekte, zum Beispiel ein Frauenhaus, eine Obdachloseneinrichtung und einen Kindergarten betrieben.

Woran hast du bei der Vorbereitung nicht gedacht?

Ich hätte nie geglaubt, dass in Südafrika die Gesellschaft auch heute noch sehr stark zwischen weiß und schwarz aufgeteilt ist. Es gibt eine sehr hohe Kriminalität in den Großstädten Südafrikas. Auch in der Gegend, in der ich mein FSJ im Ausland absolvierte, gab es eine hohe Kriminalität. Das war mir nicht bewusst. Ich wurde davor gewarnt, abends das Haus zu verlassen.

Was fandest du besonders gut?

Ich war zusammen mit acht anderen Freiwilligen in einer WG untergebracht. Dabei habe ich das Leben in einer Gemeinschaft kennen gelernt. Durch meine bin ich mit Menschen am Rande der Gesellschaft in Kontakt gekommen. Ich musste z.B. Essen an Obdachlose und Drogenabhängige verteilen. Das hat dazu beigetragen, eigene Vorurteile abzubauen.

Tim, 19, ging mit dem Europäischen Freiwilligendienst (EFD) nach Nordirland.

Was genau hat Tim gemacht?

Tim hat mit Kindern und Jugendlichen in einer Kirchengemeinde gearbeitet.

Warum der Freiwilligendienst?

Nach der Schule wollte ich nicht sofort studieren, sondern vor-berufliche Erfahrungen sammeln. Ich wollte nicht unbedingt nach Afrika oder Amerika. Mir kam es darauf an, praktische Erfahrungen im sozialen Bereich zu gewinnen. Der Europäische Freiwilligendienst war für mich das ideale Mittel dazu.

Woran hast du bei der Vorbereitung nicht gedacht?

Ich hätte nicht gedacht, dass in Nordirland der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten noch immer so stark am Leben ist. Unglaublich, dass Religion mitten in Europa ein Anlass für Gewalt ist.. Die Kirchengemeinde, in der ich gearbeitet habe, stand unter paramilitärischen Einfluss und war gegenüber anderen Sichtweisen und Einstellungen verschlossen. Dort Vertrauen aufzubauen war schwer.

Was fandest du besonders gut?

Ich habe erfahren, dass viele Ideen umgesetzt werden können, viele aber auch nicht. Nun kann ich besser einschätzen, was realistisch ist. Ich habe zudem gelernt, auf Menschen zuzugehen und mit ihnen klar zu kommen. Ich habe ihre sozialen Hintergründe kennen lernen dürfen und ihre Geschichte. Jetzt verstehe ich ihre Beweggründe besser.

Dass ich in einer Kleinstadt gelebt habe, war bereichernd, weil ich auf diese Weise ganz anders die Kultur des Landes erleben konnte als zum Beispiel bei einem Auslandssemester in Dublin.

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