Bilder Bundesfreiwilligendienst

Asylbewerber und Flüchtlinge im Bundesfreiwilligendienst (BFD)

Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug seit Dezember 2015 möglich

Das Sonderprogramm "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" ist gestartet. Es können online beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) Vereinbarungen für das Sonderprogramm gebucht werden. Anfang Dezember haben die ersten Bundesfreiwilligen des Sonderprogramms in den Einsatzstellen ihren BFD begonnen.

Gleichzeitig vergeben auch die Bundesfreiwilligendienst-Zentralstellen aus dem sozialen, kulturellen, ökologischen und sportlichen ihre Kontingente des Sonderprogramms "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug".

10000 neue BFD-Stellen

Insgesamt stellt der Bund im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) künftig neben den schon bestehenden regulären 35.000 BFD-Plätzen bis zu 10.000 neue Bundesfreiwilligendienstplätze mit Flüchtlingsbezug zur Verfügung. 50 Millionen Euro sieht der Bundeshaushalt ab 2016 für den "Flüchtlings-BFD" vor.

Das Sonderprogramm "BFD mit Flüchtlingsbezug" wurde durch eine Änderung des § 18 Bundesfreiwilligendienstgesetzes (BFDG) ermöglicht. Es ist bis zum 31. Dezember 2018 befristet.

Flüchtlinge und Asylbewerber bei der Integration unterstützen

Flüchtlinge sollen bei der Integration in die Gesellschaft unterstützt werden. Der neue Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug ist laut Familienministerium ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Stärkung unserer Willkommenskultur. Damit werde das Engagement für Flüchtlinge genauso wie das Engagement von Flüchtlingen gestärkt, die in Deutschland ein neues Zuhause finden wollen.

Asylbewerber als Bufdi

Die bis zu 10.000 zusätzlichen BFD-Plätze mit Flüchtlingsbezug stehen bereit
- für deutsche Freiwillige und
- für Asylberechtigte sowie Asylbewerber, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist.

Sprachkurse möglich

Bei einem BFD-Einsatz von Flüchtlingen sind bei Bedarf Intensivsprachkurse von 4 Wochen zu Dienstbeginn und einsatzbegleitende Maßnahmen zur Erlangung beziehungsweise Verbesserung deutscher Sprachkenntnisse möglich.

Verteilung auf die Bundesländer

Die bis zu 10.000 BFD-Plätze mit Flüchtlingsbezug werden zur Hälfte von der Zentralstelle BAFzA, der die meisten kommunalen Einsatzstellen angegliedert sind, und zur anderen Hälfte von den verbandlichen Zentralstellen vergeben und verwaltet.

Das BAFzA-Kontingent von 5.000 BFD-Vereinbarungen mit Flüchtlingsbezug wird nach dem "Königsteiner Schlüssel" auf die verschiedenen Bundesländer verteilt. An diesen Verteilungsschlüssel sollen sich auch die verbandlichen Zentralstellen bei der regionalen Unterverteilung ihrer Plätze orientieren.

Voraussetzungen für die Teilnahme am Sonderprogramm

Flüchtlingsbezug

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben kann eine Vereinbarung aus dem Sonderprogramm abschließen,
- wenn die Tätigkeitsbeschreibung des Einsatzplatzes einen Bezug zur Unterstützung von Asylberechtigten, Personen mit internationalem Schutz nach der Richtlinie 2011/95/EU oder Asylbewerbern erkennen lässt oder
- wenn Asylberechtigte, Personen mit internationalem Schutz nach der Richtlinie 2011/95/EU oder Asylbewerber, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist, einen BFD absolvieren (Flüchtlinge).

Bei Asylbewerbern, die aus einem sicheren Herkunftsland nach § 29a des Asylgesetzes stammen, wird vermutet, dass ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt nicht zu erwarten ist; diese können daher keine BFD-Vereinbarung abschließen.

Sichere Herkunftsstaaten sind:
Albanien, Mazedonien (ehemalige jugoslawische Republik), Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Ghana, Senegal, Kosovo, Serbien.

Einsatzbereiche

Der Flüchtlingsbezug muss beim Abschluss einer BFD-Vereinbarung im Sonderprogramm begründet werden. Dabei stehen folgende Kategorien zur Auswahl:

- Die Betreuung und Unterstützung von Flüchtlingen bei ihrer Unterbringung und Versorgung (zum Beispiel in Flüchtlingseinrichtungen, Unterkünften)

- Die unmittelbare Unterstützung und Hilfe für Flüchtlinge bei ihrer gesellschaftlichen Orientierung und Integration im Alltag (zum Beispiel als Integrationslotsinnen- und Integrationslotsen, als Begleitung zu Behördengängen und Arztbesuchen, als Übersetzungshelferin und Übersetzungshelfer)

- Die Betreuung und Unterstützung von Flüchtlingen im Bildungsbereich (zum Beispiel Kitas, Schulen, Erwachsenenbildungsformate)

- Die Betreuung und Unterstützung von Flüchtlingen im integrationsorientierten Freizeitbereich (zum Beispiel Sport, Kultur, Jugendarbeit)

- Die Koordinierung und Organisation von bürgerschaftlichem Engagement zu Gunsten von Flüchtlingen (zum Beispiel Sortierung und Weitergabe von Sachspenden, Lebensmittelverteilung, Einsatzplanung von ehrenamtlichen Helfern)

- Die oder der Freiwillige sind selber Flüchtling im Sinne des Sonderprogramms. Sie können zu allen in der Einsatzstelle genehmigten Tätigkeiten eigesetzt werden.

Alter und Einsatzzeit

Die Freiwilligen müssen volljährig sein.

Die Ableistung in Teilzeit mit mehr als 20 Stunden pro Woche ist auch für unter 27-jährige Freiwillige möglich.

Anrechnung von Leistungen aus dem BFD

Es kann zur Anrechung der Leistungen aus dem BFD (Taschengeld und ggf. Sachleistungen) auf andere staatliche Leistungen kommen.

Leistungen aus dem BFD werden insbesondere auf Leistungen nach § 7 des Asylbewerberleistungsgesetzes angerechnet.

Bewerbung für den Bundesfreiwilligendienst in der Flüchtlingshilfe

Eine Bewerbung für den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug - egal ob als Deutscher oder Flüchtling / Asylbewerber - kann z.B. hier erfolgen: Bewerbung BFD mit Flüchtlingsbezug

Wichtig für Einsatzstellen:

Anerkennung, Platzzahlerhöhung, Einsatzerweiterung

Für das Sonderprogramm können Einsatzstellen neu anerkannt werden. Es ist unabdingbar, dass der Antrag rechtzeitig vor dem geplanten Einsatz gestellt und genehmigt wird. Bereits anerkannte Einsatzstellen können neue Einsatzplätze mit Flüchtlingsbezug genehmigen oder ihren Einsatzbereich erweitern lassen. Anerkennung, Platzzahlerhöhung und Einsatzerweiterungen werden auf drei Jahre befristet. Die Anträge auf Anerkennung Platzzahlerhöhung und Einsatzerweiterung werden vorrangig bearbeitet.

Entsendung von Freiwilligen

Es ist möglich, dass Freiwillige von ihrer anerkannten Einsatzstelle in eine andere – auch nicht anerkannte – gemeinwohlorientierte und zuverlässige Einrichtung mit Flüchtlingsbezug entsendet werden.

Eine Entsendung zu Einrichtungen ohne Gemeinwohlorientierung, z. B. bei Wach-, Catering- oder Reinigungsdiensten ist hingegen unzulässig.

Voraussetzung für die Entsendung ist die vorherige umfassende Aufklärung der Freiwilligen und deren Zustimmung. Die Pflichten der Einsatzstelle gegenüber den Freiwilligen bestehen dabei unverändert fort.

Ergänzung der Vereinbarung Träger - Bundesamt

Alle BFD-Vereinbarungen mit Flüchtlingsbezug enthalten eine Erklärung dahingehend, dass die besonderen Bedingungen beachtet werden und für Flüchtlinge eine Beschäftigungserlaubnis der zuständigen Behörde vorliegt.

Daneben werden u. a. Angaben zur Person ddes Freiwilligen, zum Flüchtlingsbezug des Einsatzbereiches sowie zur Entsendung verlangt.

Pädagogische Begleitung der Freiwilligen

Alle Freiwilligen, die ihren Dienst im BFD- Sonderprogramm der Flüchtlingshilfe leisten, werden pädagogisch besonders begleitet. Jede Zentralstelle muss diese besondere pädagogische Begleitung eigenständig organisieren.

Im BFD mit Flüchtlingsbezug muss sichergestellt sein, dass Qualität und Umfang der pädagogischen Begleitung den hohen Ansprüchen der im Regel-BFD vorgesehenen Bildungstage entsprechen.

Es ist zulässig, dass diese Begleitung außer durch Seminare auch durch andere geeignete Bildungs- und Begleitangebote erfolgt.

Gewährleistet werden muss folgendes:
- eine fachliche Anleitung in der Einsatzstelle,
- eine einsatzorientierte Begleitung,
- ein verpflichtendes Reflexionsseminar
-- für unter 27-jährige Freiwillige i.d.R ein fünftägiges Reflexionsseminar,
-- für über 27-jährige Freiwillige i.d.R zwei Tage Reflexion,
- ggf. ein bis zu vierwöchiger Deutschkurs für Flüchtlinge - abhängig vom Sprachniveau, der zu Dienstbeginn durchgeführt werden soll, aber ggf. auch einsatzbegleitend erfolgen kann.