Was Bufdi Bewerber Alter 27+ wissen sollten

    • Was Bufdi Bewerber Alter 27+ wissen sollten

      Ich habe nun fast 3 Bewerbungsmonate hinter mir mit 18 Fehlschlägen und 2 noch laufenden Bewerbungen. Zeit mal auf ein paar Dinge hinzuweisen, womit 27+ Bewerber rechnen müssen in den alten Bundesländern (in den neuen Bundesländern war und ist Bufdi mit 27+ sein nie ein Problem!)

      1. Gehen sie davon aus das 90% aller Einsatzstellen die auf diversen online Stellenportalen geführt werden unbrauchbar sind (existieren nicht, in Wahrheit FSJ Stellen, vorsorgliche Listungen, hausinterne Stellenvergabe, Altersbegrenzungen usw.)

      Beispiel 1: Ich könne mich beim Tischtennisverein meiner Stadt bewerben schreibt https://www.bundesfreiwilligendienst.de/no_cache/der-bundesfreiwilligendienst/einsatzstellensuche.html. Dumm nur das der
      vor 10 Jahren aufgelöst wurde! Die Bundesbehörde hat einfach uralte Zivieldienststellen übernommen und seit BFD Gründung nie überprüft.

      Beispiel 2: Meine Stadt nimmt nur Bufdis bis Alter 26 für die Jugenarbeit, erfährt man aber erst bei Bewerbung, steht ohne Altersbegrenzung in der Stellenausschreibung. Ist in Wahrheit eine FSJ Stelle also, aber die Stadt will ja den staatlichen Zuschuß kassieren!

      Beispiel 3: Der "die Tafeln" Dachverband hat die örtliche Tafel vorsorglich als ES registriert, obwohl die gar nicht die Arbeitsstunden hätte, selbst für eine halbe Stelle. Erfährt man aber erst bei Bewerbung!

      Beispiel 4: Ein "soziales Kaufhaus" im Nachbarort vergibt die Bufdistelle nur an Vereinsmitglieder.

      Beispiel 5: Kirchliche ES in der Jugendarbeit sind doppelt gelistet als FSJ und BFD, erst bei Bewerbung erfährst du es ist nur FSJ.

      2. Gehen sie davon aus, das wenn sie mit jugendlichen Schulabgängern bei der Bewerbung konkurrieren sie in der Regel den Kürzeren ziehen, aller Logik zum Trotz ist Jugend wichtiger als Lebenserfahrung, Berufserfahrung und soziale Kompetenz.

      3. Vermeiden sie Einsatzstellen die gleichzeitig Werkstudenten, Pflichtpraktikanten und Ehrenamtliche für denselben Job suchen, der Konflikt ist vorprogrammiert zwischen diesen Gruppen.

      4. Lassen sie sich nicht mehrere Probetage aufzwingen, wenn sie herausfinden das Schulabgänger Bewerber nur einen Probetag machen müssen. Es gibt keinen Grund das man mit 27+ als Bewerber mehr beweisen muß als ein 18 jähriger. Hat die Einsatzstelle einen Bias gegen 27+ Bufdis, helfen ihnen auch mehrere Probetage nicht.

      5. Halten sie durch, rechnen sie damit das nur jeder zehnte Bewerbungsversuch zu einer persönlichen Bewerbung führt. Wer keine Beziehungen hat, braucht viel Geduld und Ausdauer!

      6. Gehen sie davon aus das in den alten Bundesländern viele Einsatzstellen mit Bufdis 27+ nichts anfangen können. Bei Erstkontakten kann es deshalb passieren, das man ihr soziales Engagment hinterfragt und andere Motive unterstellt.

      7. Wenn sie ein 27+ Mensch sind der leicht gekränkt wird, der Ablehnung schlecht verarbeitet, dann sollten sie sich gut überlegen ob sie sich den Bewerbungsmarathon antun wollen.

      8. Bereiten sie sich gut auf die Bewerbungsgespräche vor, es kann passieren, das mit ihnen ein knall hartes Bewerbungsgespräch geführt wird, als ob es um einen hart umkämpften Spitzenjob geht.
      Sie werden oft härter angefasst und beurteilt, als der 18 jährige Schulabgänger der sich mit ihnen bewirbt.

      9. Scheuen sie sich nicht ihre finanzielle Absicherung durch die Einsatzstelle in Erfahrung zu bringen. Es gibt z.B. Einsatzstellen die ihnen nur 200 Euro Taschengeld zahlen wollen, aber erwarten das sie weit von zu Hause Dienst tun und ein teures Großstadtzimmer anmieten.

      10. Setzen sie sich Grenzen, wie weit sie zur Einsatzstelle fahren wollen, ob sie von zu Hause wegziehen wollen für ein Jahr, ob sie wirklich mit 200 Euro mtl. Taschengeld übers Jahr kommen können und dergleichen.

      11. Viele jüngere Hauptamtliche in den Einsatzstellen haben grundsätzliche Bedenken einen älteren Bufdi unter sich zu haben. Haben sie eine hohe berufliche Qualifikation, einen bemerkenswerten Lebenslauf und eine soziale Kompetenz, machen sie vielen jüngeren Hauptamtlichen sogar Angst und sie werden abgelehnt, obwohl sie sich doch problemlos unterordnen und anpassen wollen als Bufdi.

      12. Lassen sie sich nicht mißbrauchen! Es gibt tatsächlich Einsatzstellen, die wollen mit ihnen einen 450€ Jobber einsparen, die mitunter sogar mehrere qualifizierte Jobs durch den Bufdi billig abdecken wollen. Andere bieten ihnen an ehrenamtlich mitzuarbeiten nach Ablehnung. Wieder andere erwarten von ihnen Nachtschichtarbeit, Wochenenddienst, Feiertagsarbeit und Urlaubs/Krankheits Vertretungen = jede Menge Überstunden, die aber nicht bezahlt werden, geschweige denn, das es die diversen Gehaltszulagen geben würde.
      Erstens kommt es anders und zweitens als du denkst!

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Arne ()