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EFD - Europäischer Freiwilligendienst

Viele Jugendliche und junge Erwachsene träumen davon, ein Jahr lang im Ausland zu verbringen, neuer Eindrücke zu erleben, neue Erfahrungen zu sammeln. Jugendarbeit in England, Flüchtlingsbetreuung in Spanien, Kulturmanagement in Frankreich oder Engagement für die Natur in Österreich –Europa wirklich kennenlernen und sich dabei gemeinnützig engagieren? Das geht für junge Menschen mit dem Europäischen Freiwilligendienst jungen Menschen. Und das Beste dabei: Es entstehen keine Kosten.

Der Europäische Freiwilligendienst (EFD), auch Freiwilliges Europäisches Jahr genannt, ist ein Programm der Europäischen Union, geschaffen im Jahr 1996 und ganz aktuell im Jahr 2015 und 2016. Der EFD bietet allen jungen Menschen in Europa die Möglichkeit, sich ein Jahr lang im Ausland an sozialen, ökologischen und kulturellen Projekten zu beteiligen. Ziele, die erreicht werden sollen, sind eine tiefgründige Auseinandersetzung mit einer neuen Kultur., das Sammeln von praktischen Erfahrungen und die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Voraussetzung: 18 bis 30 Jahre, Englischkenntnisse

Welche Voraussetzungen sind für einen EFD mitzubringen? Die Hürden für einen EFD liegen niedrig. Grundsätzlich steht jedem Einwohner eines Mitgliedsstaats der Europäischen Union zwischen 18 und 30 Jahren die Bewerbung offen. Vorrang haben junge Menschen, denen die Möglichkeit eines längeren Auslandsaufenthaltes ohne das EU-Programm voraussichtlich verschlossen bleiben würde. Das sind etwa Bewerber mit erhöhtem Förderungsbedarf oder einer körperlichen Behinderung. Fremdsprachenkenntnisse hingegen sind keine Bedingung für eine Aufnahme in das EFD-Programm. Englisch allerdings ist Voraussetzung, da die Bewerbung einschließlich Lebenslauf in dieser Sprache verfasst werden muss.

Kultur lernen und leben

Der Einsatz eines Freiwilligen im EFD liegt zwischen sechs und zwölf Monaten. Unter außergewöhnlichen Umständen ist auch ein Kurzzeitdienst (mindestens zwei Wochen) zulässig, etwa, wenn eine Behinderung einen längeren Auslandsaufenthalt nicht zulässt. 30 bis 35 Stunden pro Woche arbeitet man im europäischen Ausland in einem gemeinnützigen Projekt. Im Vordergrund steht allerdings nicht die Arbeitskraft, sondern der kulturelle Austausch.

Praktische Erfahrungen im europäischen Ausland sammeln

Der Freiwillige soll also nicht einen vollwertigen Mitarbeiter in der Aufnahmeorganisation ersetzen, sondern selbst praktische Erfahrungen sammeln und das Gastland und seine Kultur kennenlernen. Dennoch bringt dieser kostenlose Auslandsaufenthalt auch Verpflichtungen mit sich. Ein Freiwilliges Europäisches Jahr darf nicht als Sprachreise oder ein verlängerter Urlaub verstanden werden. Der Freiwillige ist fest in einem Projekt integriert und trägt Verantwortung für dessen Entwicklung.

Einsatzgebiete: Kultur, Gesundheit und mehr

Was konkret muss der Freiwillige tun? Die Einsatzgebiete sind so vielfältig. Gleiches gilt für die Art und Anzahl der Einsatzstellen. "Kunst und Kultur, Europäische Identität, Chancengleichheit, Medien und Kommunikation, Gesundheit, soziale Integration, Behinderung" können als Beispiele erwähnt werden.

Wie bewerbe ich mich für den Europäischen Freiwilligendienst?

Die Bewerbung für den EFD ist nicht unkompliziert. Sie sollte aus diesem Grund wenigstens sechs Monate vor der geplanten Ausreise ins europäische Ausland beginnen. Sie beginnt damit, dass man sich eine Entsendeorganisation und eine Aufnahmeorganisation sucht. Die Entsendeorganisation sitzt im Inland, die Aufnahmeorganisation im Ausland.

So findet man eine Entsendeorganisation

Zunächst ist also eine Entsendeorganisation zu suchen. Diese muss ihren Sitz in Deutschland haben, den Freiwilligen aufnehmen und letztendlich ins Ausland entsenden. Alle gegenwärtig anerkannten Entsendeorganisationen lassen sich mit ihrem Standort und einer Projektbeschreibung mittels der Online-Datenbank der EU, der "European Database on European Voluntary Service (EVS)", finden. Dort sind etwa 200 Organisationen in Deutschland registriert. Das Angebot geht über kirchliche Einrichtungen, Umweltvereine bis hin zu Sportinitiativen. Eine Bewerbung ist bei jeder Organisation in Deutschland möglich, sie muss also keinen Bezug zum Wohnsitz haben.

Persönliches Gespräch als Bewerbungs-Voraussetzung

Dennoch ist es sinnvoll sich eine Organisation in seiner Umgebung zu suchen, da ein persönliches Gespräch oft Voraussetzung für eine Aufnahme ist. Die besten Aussichten auf eine Annahme hat, wer schon vor dem Freiwilligen Jahr ehrenamtlich in einer Entsendeorganisation gearbeitet hat.

Aufnahmeorganisation: einen Platz im Ausland finden

Hat man die Entsendeorganisation gefunden, so steht die Suche nach einer Aufnahmeorganisation an. Es kommen in Betracht: Nichtregierungsorganisationen, Vereine, lokale Initiativen oder Behörden. Es ist möglich, dass die Entsendeorganisation ihre festen Partner hat, an die sie ihre Freiwilligen entsendet. Wenn das nicht so sein sollte, so muss sich der Bewerber selbst um eine Aufnahmeorganisation kümmern. Dies geschieht ebenfalls mit Hilfe der europäischen Datenbank.

Gastland und Einrichtung selbst aussuchen

Die zuletzt genannte Möglichkeit hat den Vorteil, dass sich der Freiwillige das Gastland und die Einrichtung selbst aussuchen kann und nicht auf bereits bestehende Kontakte der Entsendeorganisation zurückgreifen muss. Nachteil ist, dass die Chancen einer Aufnahme geringer sind, da auch die Aufnahmeorganisationen gerne auf Freiwillige zurückgreifen, die bereits mit einer Partnerorganisation arbeiten. Bewerben kann man sich bei Aufnahmeorganisationen in allen 27 EU-Mitgliedsländern plus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Türkei.

Es gibt Länder, für die eine sehr große Nachfrage besteht, die aber nur begrenzte Plätze zur Verfügung haben. Dazu gehören Italien oder Spanien. Die Plätze dort sind schnell vergeben.

Antrag

Hat man seine Zusagen beisammen, so muss ein Antrag gestellt werden. Dabei handelt es sich um das sogenannte Förderansuchen, das die Zusammenarbeit der Organisationen und weitere Formalitäten regelt. In Deutschland wird der Europäische Freiwilligendienst durch "JUGEND für Europa - Deutsche Agentur für das EU-Programm JUGEND in Aktion" umgesetzt.

Freiwilligendienst im Ausland kostenlos

Ein Europäischer Freiwilligendienst hat gegenüber einem Freiwilligendienst im Ausland in der sonstigen Welt den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass er komplett durch die EU gefördert wird. Der Freiwillige muss keinerlei Kosten tragen. Das gilt für Reisekosten, Unterkunft, Versicherung und Verpflegung. Finanziert werden auch ein intensiver Sprachkurs sowie die obligatorische Teilnahme an Seminaren vor, während und nach dem Freiwilligendienst. Zusätzlich wird ein monatliches Taschengeld (meist zwischen 140 und 210 Euro) gezahlt. Außerdem besteht der Anspruch auf Kindergeld fort. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Zeit im Freiwilligendienst zudem als Wartezeit bei Universitäten angerechnet werden kann.

Es gilt also: Warum in der (weiten) Ferne schweifen? Das Gute ist so nah!